Forschungsschwerpunkt Transzendenz


Das vollständige In-Sich-Ruhen und -Schwingen

Dieser Forschungsschwerpunkt ist in der Tat auch für uns äußerst ungewöhnlich - um nicht zu sagen merkwürdig. Wir sind uns dessen bewusst und möchten dennoch darüber sprechen, denn das, was wir als Avatarzustand bezeichnen, ist wohl der ungewöhnlichste und mit bedeutendste Bewusstseinsmodus, den wir in unserer psychologischen Forschung entdeckt haben.

Ich ruhe vollständig in mir und bin mit allem verbunden. Ich bin frei von Angst, obwohl ich sie spüre. Und ich bin frei von Wut, obwohl auch sie da ist. Auch bin ich frei von Trauer, doch auch sie ist vorhanden. 

 

Die Herkunft des Namens

Es war der hinduistische Gott Vishnu, der als Krishna auf die Erde gekommen ist. Hierzu hat er das Aussehen eines Menschen angenommen. Der Mensch, in dessen Körper Vishnu geschlüpft ist, wird zum Avatar von Vishnu. In diesem Sinne gelten auch Jesus, in der christlichen Religion, Mohammed, im Islam, und Buddha, im Buddhismus, als Avatare.

Die christliche Sichtweise ist das Vorhandensein des Schaffenden, des großen Geistes, von Gott, in uns. Der jungfräulich geborene Jesus ist das Symbol für das Spirituelle in uns Menschen, das in einem bestimmten Moment des Lebens von sich heraus erweckt, geboren, wird. So, wie es auch in Jesus selbst geschehen ist, der sich mit dem Spirituellen in sich, und damit mit Gott, derart verbunden hat, dass er auf der Erde zur Verkörperung Gottes selbst wurde - und damit zu dessen Avatar. Hinduismus, Christentum, Islam und Buddhismus stimmen hier eineindeutig überein.

Im Zen-Buddhismus, oder wohl korrekter, Zen, denn Zen ist nicht gleich Buddhismus, gibt es das Wahrhaftige. Das Ziel ist es, durch Meditation in den Zustand des Wahrhaftigen zurückzukommen. Um dies zu ermöglichen, geht es in der Meditation darum, das sozial und kulturell Erlernte in sich, das sich in Form von Gedanken und Trugbildern bemerkbar macht, zu erkennen - sich aber nicht auf diese einzulassen. Vielmehr lasse ich Gedanken und Gefühle wie Wolken an mir vorbeischweben.

Damit werde ich, um den Terminus anzuwenden, nicht zum Avatar dieser Gedanken und Gefühle, indem ich eine künstliche Rolle annehme, die durch diese Gedanken und Gefühle in mir ausgelöst wurde. Vielmehr halte ich den Avatarkörper, mich, unberührt. Ich verbinde mich nicht mit etwas in mir. Stattdessen warte ich ab, bis alle Einflüsse verschwunden sind.

In diesem Moment erlange ich den Zustand, den ich hatte, bevor mich meine Gesellschaft zu etwas deformiert hat, das ich zuvor nicht war. Diesen Zustand nennt man im Zen das Ungeborene. Ist es mir gelungen, bis zum Moment der Rückkehr in diesen ursprünglichen Zustand, mit keiner anderen durch Gedanken und Gefühle initiierten Rolle zu verschmelzen, ist mein Avatarkörper noch frei. Genau dann, in diesem Zustand der LEERE, kann ich mich mit meinem in diesem Moment leeren, noch nicht verbundenen Avatarkörper, mit dem Ungeborenen vereinen. 

Ich werde in diesem Moment zum Ungeborenen selbst. Ich werde zum Avatar - zu dem Das-Ungeborene-Verkörpernde. Ich komme zurück zu meiner Wahrhaftigkeit. Ich habe mich entschieden, wahrhaftig zu sein.

 

Bedeutung

Von Zeit zu Zeit arbeiten wir mit Gruppen an Menschen, die sehr schwere Schicksale hinter sich haben. Dann sehen wir uns gemeinsam an, wie die Lebensphasen dieser Menschen ausgesehen haben. Jede Phase wird mit einem bestimmten Motiv verknüpft. Die Achterbahnfahrt, die Dunkelheit, der Nebel, diese Bilder beschreiben die jeweiligen Lebensphasen. Jeder Mensch entpuppt sich als Individuum, auch wenn der eine und die andere TeilnehmerIn hier und da dieselben Motive für bestimmte Lebensphasen auswählen.

Wird dann, am Ende, die Frage gestellt, ob es im Laufe all dieser schwierigen Leben, mit ihren teils sehr schweren Phasen, einen konstanten, gleichbleibenden, unveränderten Anteil gegeben hat, erkennen alle Teilnehmer der Gruppen einen solchen in sich. Schreibt jeder für sich die drei wesentlichen Merkmale dieses Gleichgebliebenen auf, stellt man am Ende fest, dass diese Merkmale bei allen Teilnehmern identisch sind.

Dieses Identische ist weltoffen, neugierig, mutig, sensibel und mitfühlend. Und damit sind wir beim Ungeborenen. Und damit sind wir auch bei Jesus (Avatar von Gott - Mitgefühl/ liebe Deinen Feind) und Mohammed (Avatar von Allah - Mut) und Buddha (Avatar des Verbundenen - Loslassen) und Krishna (achter Avatar von Vishnu - Hingabe), als einige der "großen" (bekannten) Avatare.

[Hier finden wir übrigens, Avatar für Avatar, die Eigenschaften des oben beschrieben Kern-Selbst', des Ungeborenen, wieder. Religion für Religion hat damit die Aufgabe, in ihrer von Menschen nicht dogmatisch verfälschten Art, uns Menschen zu unserem Wahrhaftigen zurückzuführen. Erst alle Religionen zusammen ergeben alle Wesensmerkmale des Ungeborenen.]

Das Ungeborene ist das Allem-Zugrundeliegende. Bin ich mit diesem verbunden oder verschmolzen, fühle ich genau, was mein Weg ist. Es ist der WEG (wie LEERE im Zen meist groß geschrieben) des Wahrhaftigen. Und der Weg des Wahrhaftigen ist, niemanden zu verletzten, in Freundschaft und Mitgefühl zu leben, die Wahrheit zu sagen, Menschen zu helfen und Mut zu haben.

Dieser Wesenskern ist nicht nur in uns Menschen zu finden. Denn sucht man nur weit genug und analysiert das Beobachtete, stellt man fest, das es der Wesenskern von allem ist. Von Tieren, von Bäumen und von Pflanzen. Es ist der Grundcode für das Leben im Allgemeinen.  Wie auch immer ich es nenne möchte: es ist das Göttliche, das Erschaffende, Pachamama, Buddha, das Nicht-Sein, das Numinose oder der Große Geist.

Im Moment des Avatarzustands werde ich genau zu diesem. Ich verkörpere es so, als wäre es durch mich anwesend. Ich bin dann dieses Göttliche selbst. Oder anders ausgedrückt: ich lasse es derart durch mich wirken, dass es mich nicht mehr gibt, sondern das Göttliche statt meiner wirkt. Und dennoch bin ich Ich (selbst). Ich beobachte mich in meinem Avatar-Zustand und bin gleichzeitig der Zustand (selbst).

Dabei fühle ich mich wohlbehütet, geborgen und geschützt - und immer noch als ich selbst. Ich werde zu meinem Grund-Ich, als das ich auch schon im Mutterleib vorhanden war. Ich war bereits eine Zellteilung des Ganzen, aber mit dem Ganzen noch vollständig identisch. Ein Grund-Ich, frei von den Verletzungen durch Eltern, andere Kinder, den Stiefvater, Lehrer, die Gesellschaft, Religionen, Dogmen, Polik und Staatssysteme mit ihren unmenschlichen Auswüchsen.

Gleich, ob ich es bewusst oder unbewusst tue, diesen Avatarzustand anzunehmen, es ändert nichts an meinem Verhalten innerhalb dieses Modus'. In diesem Zustand fühle ich in jedem Fall, dass ich zu schweben scheine und mit allem verbunden bin, im Fluss bin, im kreativen Schaffensprozess.

Aus diesem Grunde wird dieser Zustand auch als Erleuchtung bezeichnet. Es ist das Erkennen, mit allem Eins zu sein und die Abgrenzungen zu verlieren. Ich vertraue allem, denn alles ist ich und ich bin im gleichen Moment alles. Ich erkenne das Göttliche in mir oder nehme es wahr, als solches oder als etwas Ungewöhnliches, Positives - als auch in allem anderen, auf identische Weise, und kann damit alles auf diesen einen einzigen Ausgangspunkt zurückführen. Und da alles ich ist, brauche ich auch keine Angst mehr vor dem Fremden zu haben und brauche mich somit auch nicht mehr abzugrenzen.

 

Bewusstseinszustand

In diesem Bewusstseinszustand habe ich keine Angst, Konflikte anzusprechen, ich sorge mich nicht um den Tod, ich bin vollständig mit mir selbst und mit der Welt um mich herum verbunden. Es ist ein Zustand, den ich auch erlange, wenn ich im Sterben liege. Es ist ein schwebendes Sich-im-Glück-Befinden. Man beobachtet und man verschmilzt zurück mit allem.

Daher können wir über diesen Zustand schreiben und Sie können darüber lesen, doch es ist ein Moment, den ich als Mensch selbst erlebt haben muss, um ihn zu erlangen, um ihn wahrnehmen zu können. Und genau daher ist es auch so schwierig, über ihn zu berichten - vor allem, wenn es, wie bei uns, auf dieser Forschungsplattform, auch um so viele Themen geht, die offenbar gar nichts mit diesem psychologischen Bewusstseinszustand gemein haben.

Und dennoch fühlen wir uns dazu verpflichtet, darüber zu schreiben und diesen Zustand mit in unsere hier äußerst subtile Forschung mit aufzunehmen. Es ist wie es ist, ob ich darüber spreche oder nicht. Und es ist aus unserer Sicht vielleicht sogar das Wichtigste von allem. Aber das darf jeder von uns selbst, für sich, ganz persönlich entscheiden.

 

Brückengedanken

Der Moment der Geburt ist der Moment des Verlassens des neunmonatigen Zustands des ersten Avatarzustands und damit des Einssein' mit dem Ungeborenen. Ich werde von dem Mit-Allem-Verbundensein nun das erste Mal tatsächlich gefühlt vollständig getrennt. Ich verlasse den vorgeburtlichen Zustand des mit dem Ungeboren ungetrennt Vereinten. Es ist der Schmerz der Trennung, der das Kind in diesem Moment vielleicht derart verzweifeln lässt. Solange, bis es sich schließlich auf der Mutter wiederfindet, von der es sich für immer getrennt befürchtet hatte.

Somit ist die Geburt des Kindes auch geleichzeitig der erste Tod, den das Kind erlebt. Dabei handelt es sich um einen vom Ganzen trennenden, isolierenden Tod. Es ist der Schmerz der Trennung, den das Kind erleidet.

Das erste Liegen auf dem Bauch der Mutter wird hingegen zur, wenn auch nicht mehr vollständigen Wiedervereinigung mit dem Erschaffenden, nun aber schon in einem leicht veränderten Zustand. Auch dies ist eine Art Tod, nämlich das Sterben des sich für einen Moment Isoliertfühlens. Ich verschmelze durch die Liebe meiner Mutter zu mir und durch meine Liebe zu meiner Mutter erneut mit ihr zu einem Ganzen.

Die Trennung war für einen Augenblick unerträglich, denn es gab noch nichts in mir, das mir hatte helfen könnte, den Trennungsschmerz zu überwinden. Die Trennung gelingt mir später nur deshalb Jahr für Jahr immer besser, da etwas in mir entsteht, das das Getrenntsein über das Verbundensein stellt. Dieses etwas ist gleichzeitig das Entfremdende.

Es ist wichtig zu verstehen, dass beides Tode sind: sowohl die Trennung vom Ganzen - das Verlieren der Geborgenheit - als auch die Trennung vom Isolierten, ungebundenen Ich-Sein, und damit das erneute Sich-Verbinden mit dem erschaffenden Ganzen. Als neugeborenes Kind bin ich glücklich, wieder mit der Mutter, dem Ganzen, eins zu sein.

Der spätere endgültige Tod ist eigentlich auch nichts weiter das Sich-Wiedervereinen mit dem großen Ganzen. Doch habe ich mich bis dahin schon derart weit vom Ganzen entfremdet, dass es mir Angst macht zurückzukehren. Hier stirbt das Entfremdende in mir, das ich so mühselig habe aufbauen müssen, um das Getrenntsein vom Ganzen nicht mehr kontinuierlich als Schmerz empfinden zu müssen.

Die Angst verschwindet erst in dem Moment, in dem ich erfahre, dass es dort, wohin ich mich rückverschmelze, noch schöner ist, als dort, wo ich trotz meiner Entfremdung gedacht hatte, am glücklichsten zu sein. Am Ende habe ich einfach nur das Glücksgefühl des Ungetrenntseins im Laufe meines Lebens schrittweise verloren. Auch der Tod der Eltern stellt Schritte in diesem Isolationsprozess dar. Hätte ich dies nicht getan, mich derart entfremdet, würde ich mich auf den Tod freuen (können).

Die Frage ist hier nur, ob ich dann nicht gleich nach dieser Erkenntnis den Tod freiwillig suchen würde. Offenbar gibt es hier ein strategisches, gewolltes Ziel, das die Trennung und die Angst vor der Wiedervereinigung "willentlich" geschaffen hat.

Die Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs ist pragmatisch und einfach. Das Ungeborene geht in den Körper. Nun gibt es zwei Instanzen: das Ungeborene und den Körper. Das Ungeborene möchte zurück, um mit dem Ganzen wiederzuverschmelzen. Der Körper möchte seinen Lebenszyklus möglichst lange im Getrenntsein erleben.

Damit dient der Körper dem Ungeborenen als Wirt. Beide haben jedoch unterschiedliche Definitionen von Glück. Je stärker die oben genannten äußeren Einflüsse den Körper vom Ungeborenen entfremden, desto höher wird auch der Wunsch nach dem Getrenntsein und die Angst vor dem Tod des Körpers.

Damit wünscht sich das Ungeborene die Wiedervereinigung und der Körper das auf ewig Getrenntsein, was jedoch im ersten Moment nicht gleichzeitig möglich ist. Erst in der Meditation gelingt es mir, umzuschalten, und dem sich entspannenden Körper, mit seinen Gefühlen und Gedanken, nicht mehr zuzuhören. Damit vergesse ich den Körper temporär. Er verwindet, da ich ihn gezielt überhöre, ausgrenze. Hiermit verschwinden dann auch all die Stimmen um mich herum und das Ungeborene erfährt sich wieder selbst. Nun kann es auch die Angst vor dem Tod überwinden, denn es kann sich nun wieder an den Zustand des Ungetrenntseins erinnern und aus seiner Verwirrung erwachen.

Der Körper, über den wir hier sprechen, funktioniert wie ein Theater. Die Archetypen, nach C. G. Jung, sind Kostüme im Kleiderschrank des Körpers. Das Ungeborene und der Körper selbst erweckt eines oder mehrere der Kostüme zum Leben. Es gibt dann nicht nur das Ungeborene und den Körper, sondern mehr und mehr weitere Anteile in ihren vorerst archetypischen Kostümen. Immer dann, wenn das Wahrhaftige, Ungeborene erfährt, dass es in seiner Wahrhaftigkeit nicht zurecht kommt, wird ein weiterer Archetypus zum Leben erweckt.

Jeder zum Leben erweckte Archetypus ist eine eigene Teilpersönlichkeit. Schnell ist das Wahrhaftige, Ungeborene nur noch eines von sehr vielen. So findet man in der modernen, systemischen Psychotherapie im Durchschnitt meist sieben ständig aktive Persönlichkeitsanteile. Schnell können es aber auch 50 oder 100 werden, zusammen mit den Lebensrollen, die ein Mensch erfüllt. Nur nachts wiedervereint sich das Wahrhaftige zum Teil wieder mit dem Ganzen.

Doch je mehr und häufiger die vielen Teilpersönlichkeiten in ihre Kostüme schlüpfen, desto mehr entfremdet sich das Ungeborene von seinem eigentlichen Kern-Sein.

Die Komplexität des Körpers mit seinen vielen Mitspielern, die er beherbergt, und damit die Verwirrung und Selbst-Entfremdung des Ungeborenen steigen somit immer weiter an. Die Erinnerung an den schönen Zustand des Ungetrenntseins verschwindet in dieser Verwirrung "im Kopf" des Wahrhaftigen, Ungeborenen - und ist "in den Köpfen" der neu erschaffenen Persönlichkeitsanteile nicht oder kaum vorhanden.

Anteil für Anteil, Kostüm für Kostüm, seigt die Angst genau dieser Anteile, irgendwann einmal nicht mehr existieren zu können - im Moment des Todes am Ende des Lebens auf der Erde.

 

Ablegen der Angst vor dem Tod

Der Weg zurück zum allein existierenden Wahrhaftigen, Vorgeburtlichen, Ungeborenen ist somit pragmatischer Weise mit dem Deaktivieren der Teilpersönlichkeiten verbunden. Doch bedeutet das Deaktivieren im erstem Moment immer ihren Tod. Hiergegen werden sich alle Anteile sträuben.

Nicht sträuben werden sie sich hingegen, wenn sie erfahren, dass sie in ein großes Team integriert werden, in dem sie weiter existieren können. Sie vertrauen sich dann gemeinsam einem Teamleiter an, der sie alle gemeinsam repräsentiert. Jeder Anteil integriert sich in das Team. Am Ende gibt es nur noch das Team, geführt und repräsentiert durch den Teamleiter. Die Individualität der Teilpersönlichkeiten verschwindet freiwillig durch diesen Vereinigungsprozess - in einem neuen Ganzen - in der Team-Identität.

Systemisch erklärt brauchen der Körper und das Ungeborene die archetypischen Rollen nicht mehr isoliert zueinander. Denn der Teamleiter nimmt die Paradigmen der Rollen in sich auf und ergänzt sie zu einem integrierten und widerspruchsfreien Gesamtsystem.

Analog: Ich habe ein Gefäß mit gelber Tinte und ein zweites mit blauer. Dies sind meine Teilpersönlichkeiten. Gieße ich die Inhalte beider Gefäße in ein großes drittes, in der Mitte, entsteht die Team-Identität. Diese Team-Identität ist grün. Grün verkörpert gleichzeitig gelb und blau. Damit ist Grün das Integrale. Gleichzeitig sind die beiden Ursprungsgefäße leer. Und man braucht sie in diesem Moment schließlich auch nicht im getrennten Zustand. Die Komplexität des Gesamtsystems verringert sich durch das Integrieren in einem allumfassenden Kern.

Geführt werden kann dieses Team jedoch nur durch den/ einen gesunden Erwachsenen - einen wahren Rudelführer. Dieser gesunde Erwachsene hat die Befähigung den eigenen Organismus gerecht, fair und sicher zu behandeln.

Ist der gesunde Erwachsene in mir entstanden, wird er mich führen. Nach einer Weile wird dann auch nur noch er - oder sie, die gesunde Erwachsene - selbst übrig bleiben.

Was kennzeichnet diesen gesunden Erwachsenen? Es sind Optimismus, Weltoffenheit, Mut, Weisheit, ... Erkennen Sie etwas wieder? Es sind die Eigenschaften des Ungebornen. Das Ungeborene ist nichts weiter als der gesunde Erwachsene. Die gesunde Erwachsene ist nichts weiter als das Ungeborene. Es ist ihm gelungen, das ganze Chaos, das um ihn während der Erkundung der Welt, in Form von immer mehr und weiteren Teilpersönlichkeiten, zu einem Team zusammenzuführen und es somit miteinander verschmelzen zu lassen.

Und jetzt ist es wieder rein pragmatisch: Als gesunde Erwachsene sehne ich mich nach der Wiedervereinigung mit dem Ganzen. Denn ich bin genau dieses entfremdete Ungeborene, das schon immer wieder zurück wollte. Und hiermit verschwindet nun auch die Angst vor dem Tod.

Gleichzeitig hat die gesunde Erwachsene, das Ich, aber auch das Leben erfahren und schätzen gelernt. Daher gibt es keine Notwendigkeit, in den Tod gehen zu müssen. Vielmehr ist es auch schön und spannend, das Leben weiter zu leben, so lange es trägt. Das Ungeborene hat sich in diesem Moment auch mit dem Körper vereint. Die Trennung ist damit vollständig aufgehoben. Präzise formuliert ist es die Liebe des Ungebornen zu seinem Körper und das Vertrauen des Körpers in das Ungeborene.

Nun komme ich in den entspannten Moment des inneren Friedens. Ob ich lebe oder sterbe, beides ist schön. Ich kann sowohl im isolierten als auch im verbundenen Zustand existieren. Noch weit mehr kann ich erkennen, wenn ich nur danach suche. Damit habe ich auch Leben und Tod, Getrenntsein und Verbundensein miteinander integriert. Es ist die Aufhebung und Überwindung aller Widersprüche und damit auch Wertungen und Wertesysteme in mir.

Und damit verschmelze ich erneut mit Gott, werde damit zum Erschaffenden - und bin zurück in meinem Avatarzustand. Ich fühle mich damit in beiden Welten wohl - in der aus der ich komme und in der, die ich (wahrscheinlich selbst) geschaffen habe.

Ein Wassertropfen fällt in das Wasser und vereinigt sich mit den Wasser, ein Tropfen schießt aus dem Wasser erneut empor, um sich nach seinem Fall wieder mit dem Wasser zu vereinigen. 

 

Am Ende des Lebens

Am Ende ist es der Tod, der erneut den für diese Welt endgültigen Avatarzustand auslöst. Falle ich im Winter aus dem Boot, in das kalte Wasser, spüre ich die Kälte, die in mich eindringt. Doch irgendwann wird es plötzlich warm und ich fühle mich wohl. Die Angst verschwindet und ich beobachte gelassen das Gehen aus dieser Welt.

Der Körper ist in diesem Moment außer Betrieb gesetzt. Er ist entweder nicht mehr am Leben oder von Opiaten überschüttet worden. Köper und eventuell noch vorhandene Persönlichkeitsanteile - falls mir die Integration noch nicht vollständig gelungen sein sollte - klagen daher nicht mehr über den kommenden Tod.

Ich, der ich nun wieder im Avatarzustand des Ungeborenen bin, rückverbinde mich wieder mit dem Ganzen. (1) Da die gestorbenen, noch nicht integrierten Teilpersönlichkeiten nur Kostüme waren, trauere ich nicht über sie. Doch an meine Erfahrungen auf dieser Welt erinnere ich mich. (2) Als gesunder Erwachsener, also als Teamleiter, habe ich alle Anteile in mir selbst integriert.

 

Liebe

Auch der Moment der wahrhaftigen, natürlichen Liebe zu einem anderen Menschen, dessen ich mir später im Leben, plötzlich und unerwartet, bewusst werde, ist der Moment des miteinander im Kern Verschmelzens. Dies gilt auch, auf anderer, noch intensiverer Ebene, für die physische Verschmelzung mit dem Gegenüber. Beides sind Kernschmelzen. Zwei getrennte, äußerlich unterschiedliche aber im Kern identische Wesen kommen zurück in die Nicht-Getrenntheit ihrer Kerne (1) mit dem Ganzen - und (2) idealer Weise gemeinsam und damit auch miteinander. Erweckt wird für einen kurzen Moment das Glück des Nicht-Mehr-Getrennt-Seins des Ungeborenen in uns.

 

Komplementärüberlegungen

Wenn Jesus, Mohammed, Buddha und Krishna Avatare des Göttlichen, Erschaffenden waren - ist es dann auch denkbar, dass Personen wie Hitler und Stalin ebenfalls Avatare, nur eines komplementären, vernichtenden Elements gewesen sind? Oder ist es lediglich das Sich-Entfernen vom Zustand des Ungeboren, das mit ausreichender Entfernung zum Entstehen des Vernichtenden wird? 

Die Antwort ist bereits gegeben. Die Schattengestalten auf dieser Erde sind entstanden, da das Ungeborene in Umgebungen und Situationen groß geworden ist, in denen Archetypen zum Leben erweckt werden mussten oder versehendlich geweckt worden sind, die - wie oben bereits ausgeführt - zur Aufgaben hatten, das Überleben des Ungeborenen auf der Welt zu ermöglichen und zu sichern.

Wird die Welt jedoch als sehr bedrohlich wahrgenommen, werden auch entsprechend mächtige Archetypen zum Schutz ausgewählt. Werden diese Anteile derart stark, dass sie nicht mehr kontrollierbar sind, können sie sich endgültig als Vernichter entpuppen, die sich gegenüber der Welt für das dem Ungeborenen vermeintlich Angetane rächen.

Damit war das Ungeborene nur mehr oder weniger gut moderierend "unterwegs" und nur mehr oder weniger gut führend. Es ist dem gesunden Erwachsenen somit nicht gelungen, die erweckten, extremen Archetypen zu kontrollieren oder gar wiederzuvereinigen. So konnte die Integration der Teilpersönlichkeiten nicht im Leben auf dieser Erde geschehen.

Erst viel zu spät wurde erkannt, welche Dämonen hier geweckt worden sind. Erkannt wurde es erst, als sie derart mächtig waren, dass man ihr Verhalten oder ihre Existenz nicht mehr hat ändern können. Sie zerstören nicht nur die Welt kollateral um sich herum - sondern auch den Körper selbst, zusammen mit den zuvor unterworfenen Ungeborenen.

Denn das Ungeborene wird selbst zum Opfer der erweckten Dämonen. Anders ausgedrückt: je schneller ich das Kranke in mir oder um mich herum entdecke, desto größer ist die Chance, es in etwas Gesundes zu konvertieren oder sich notfalls von ihm pragmatisch zu trennen, so lange dies noch möglich ist.

Sollte sich Hitler tatsächlich selbst erschossen haben, war dies damit der selbst gewählte Weg des verunsicherten Ungeborenen, einer seiner angstverzerrten Archetypen oder des Körpers/ Wirts in der Angst vor den Konsequenzen des Am-Leben-Bleibens, mit dem gewollten oder damit erzwungenen Ziel der Wiedervereinigung des Ungeborenen mit dem Ganzen. Letztere war nur möglich, indem Negativanteile in sich vor der Vereinigung in einem befriedeten Team/ Rudel stattdessen durch den Tod des Wirtes ausgelöscht wurden. Das zu Extreme konnte nicht (mehr) (rechtzeitig) integriert werden.

 

Teams und Freunde

Sich von D-Mitabeitern, Saboteuren, zu trennen, so schnell dies möglich ist, verhindert, dass das Monster selbst die Kontrolle übernimmt.

 

Drogen

Auch Drogen betäuben den Körper mit seiner Stimme und die Stimmen der in ihm lebenden, nicht integrierten, teils archetypischen Teilpersönlichkeiten. Diese Betäubung ermöglicht es dem Ungeborenen, wie in der Meditation und der Liebe, für einen Moment das Gefühl des Wieder-Mit-Allem-Verbundenseins zu empfinden. Doch ist dies kein auf Freiwilligkeit basierender Prozess. Es wird Gewalt ausgeübt, und zwar am Köper. Daher sind Drogen immer mit Zerstörung verbunden. Es ist immer der Tod des einen zugunsten des anderen.

 

Der Sinn des Lebens

Das Leben ist, zusammengefasst, somit eine Trennung vom Ganzen, der Wechsel in ein komplexes System, das Erschaffen von Reisebegleitern, um in diesem System überleben zu können, die Integration der Reisebegleiter zu einem gemeinsamen Anführer, das In-Sich-Ruhen in Gelassenheit, im glücklichen Schwebezustand zwischen Leben und Tod, die Möglichkeit, das System, in das man eingebettet worden ist, nun sicher - da angstfrei - verändern zu können und schließlich das Wiedervereinen mit dem Ganzen.

Was hiervon ist nun genau das Ziel?

Wir gehen nun in das Spekulative, nicht mehr beweibare.

Das einzige, das wir nicht als notwendigen Prozessschritt identifizieren können, ist, neben der Metamorphose als tatsächlichem Meta-Prozess, das Ändern des Systems. Ich erfahre das Prinzip des Mich-Selbst-Befreiens und gebe meine Erfahrung an andere weiter, damit auch sie sich befreien können - und am Ende ein befreites System erschaffen worden ist.

Hier kommt die Heldenreise mit ins Spiel, mit ihrer ganz wichtigen Bedeutung in der Veränderung des Systems.

Ob es das ist? Ich lebe, um mich und mein System zu befreien und gottgleich zu machen?

Lassen Sie uns ein Gedankenexperiment machen. Angenommen der Ozean wäre Gott. Warum erschafft dieser Gott einen Wassertropfen und trennt ihn von sich? Ist es der Wunsch, das System außerhalb des Ozeans zu etwas Göttlichem zu verändern, oder eher dem Wassertropfen das Göttliche näher zu bringen, von dem er aber eigentlich nie getrennt sein wollte.

Nun könnte es auch sein, dass sich der Wassertropfen selbst entschieden hat, Gott zu verlassen. Er erfährt im Rahmen des Meta-Prozesses die Bedeutung des Göttlichen und kann mit dieser Erkenntnis glücklich zu Gott zurückkehren. Er hat dann verstanden, was das Göttliche tatsächlich bedeutet.

Es entsteht kreative Schönheit, wenn ich es zulasse und mich nicht von ihm entfremde. Damit ist das Zulassen Voraussetzung für das Göttliche. Es ist die Schönheit, in der ich das Göttliche erkenne. Es hilft mir dabei, selbst göttlich zu werden.

Damit ist es vielleicht auch der Wunsch dieses Gottes, seine Göttlichkeit zu bewahren, indem es Tropfen für Tropfen selbst erkennen lässt, warum das Göttlichsein derart wichtig ist.

Stelle ich also als Wassertropfen und Teil des Ozeans fest, dass ich vom Göttlichen nicht überzeug bin, gibt mir der Ozean, also Gott, die Möglichkeit, das Göttliche selbst zu erfahren, um dann, idealerweise durch eigene Erfahrungen überzeugt, in den Verbund mit Gott zurückzukehren.

Damit ist das Leben entweder eine Schule, das Göttliche zu erfahren oder aber eine Art pragmatische Rehabilitationsmaßnahme, des das Göttliche Anzweifelnden.

Hiermit verlassen wir wieder das Spekulative, nicht beweisbare.

 

Erkennen des Sinns

Wie auch immer - als Wassertropfen Mensch habe ich auf dieser Erde die Möglichkeit, wahrhaftig und damit eine selbstbewusste, in mir ruhende und wahrhaftige Person zu werden. Lege ich das Zerstörende in mir ab und erschaffe ich das Friedvoll-Integrierende und die hierzu notwendigen Führungseigenschaften, hat sich das Leben für mich aus integrativer Sicht gelohnt.

Hiermit ist es das Führen selbst, das ich auf dieser Welt erfahren kann.

Ich erlerne, mich und andere sicher zu führen. Somit ist die Welt eine Schule für wahrhaftige Führung. Ich lerne, mich und andere wahrhaftig führen zu können. Gelingt es mir, kehre ich glücklich in das Ganzheitliche zurück. 

Das bedeutet, miteinander, friedvoll, mitfühlend, integrativ, neugierig und weltoffen, Raum gebend, fragend, frei und ungebunden zu sein und zu führen.

 

Selbstreflexion methoform

Und interessanter Weise ist das genau unser Führungsansatz in unseren Führungstrainings. Und damit sind auch der Sinn und die Mission von methoform erklärt. Am Ende ist das Wichtigste, das wir vermitteln können, die wahrhaftige Führung, oder wie wir es nennen:

Rudelführer und Rudelführerin werden.

Und damit schließt sich der Kreis. Der Avatarzustand ist am Ende nichts weiter als der Zustand des Rudelführers. Auch ist er der Idealzustand für die Gewaltfreie Kommunikation. Ich bin für mich und meine Umgebung achtsam und empathisch, ohne dabei den Gefühlen zu verfallen. Ich bleibe kontinuierlich auf der Metaebene. Mein Verstand ist es, der mich im Wesentlichen leitet. Meine Stimme ist in der eigenen Resonanzfrequenz und klingt damit selbstbewusst. Meine Haltung ist auftrecht, mit leichter Spannung. Meine Bewegungen sind flüssig und entschieden.