Selbstsein

Finden des Selbst



Die Suche

Eigentlich gibt es nichts zu suchen und auch nichts zu finden. Findet man das Gesuchte nämlich, wird dem Suchenden lediglich bewusst, dass er es nicht hätte zu suchen brauchen, da das Gesuchte schon immer da war.

 

Bin ich mir des Gesuchten und seiner allgegenwärtigen Präsenz jedoch unterbewusst gewahr, lasse ich mich also treu vom Fluss des Lebens führen, wird mich genau dieser Fluss immer wieder derart belohnen, dass ich nicht auf die Idee käme, etwas zu suchen, da mir gar nichts fehlt.

 

Hierzu muss ich innerlich jedoch bereits instinktiv über die subtilen Werte von Feinfühligkeit und Demut verfügen, die der Suchende wohlmöglich erst auf dem Weg finden und sich aneignen muss.

 

Erst, wenn man diese Essenz des Gewahrseins anderen direkt vermitteln möchte, wird man sich das Unterbewusste bewusst machen müssen, um es verstehen und aufbereiten zu können.

 

Form und Formlosigkeit

Form ist das Gewordene, das entsteht, lebt - und damit von den Kräften des Lebens beeinflusst wird - und schließlich wieder im Formlosen verschwindet.

 

Auch die Emotion ist etwas Formloses, das entsteht und Form annimmt, um sich eventuell über die Form des Körper des Entstandenen, Geborenen, feste Form anzunehmen, um für einen Moment das Leben - als eine der Kräfte des Lebens, als Archetypus - zu beeinflussen, um dann wieder - psychologisch in der Refraktärphase - zu verschwinden, zu sterben, in das Formlose, Ungeborene zurückzugehen.

 

Die Blaupause von Mensch - als Container - und Archetypus - als Inhalt des Containers - oder als Mensch - als Marionette - und dem Archetypus - als spezifische Verhaltensweise - sind Objekte und Teilobjekte, die endlos instantiiert und gelöscht werden können. Antriebskräfte, das Leben also, können lichten und schatten sein, wobei aus neutraler Sicht beides zum Selben gehört: zum Leben und zu dessen Kräften.

 




Ort der Suche

Das Außen wird dem Suchenden helfen, den Weg zu finden. Doch dieser Weg führt immer in das Innere.

 

Das Äußere gilt als Illusion, als Zerrspiegel, das mit dem Materiellen, Suchterzeugenden und Zwanghaften zu tun hat.

 

Das Innere ist das Wahrhaftige, Wirkliche und Wahre, das den Schatz enthält, von dem die Außenwelt abzulenken versucht.

 

Meist führt erst lange und aufgeschlossene Beobachtung zur Erkenntnis, dass die Innen- und Außenwelt nicht getrennt voneinander existieren, sondern auf das Engste, wie ein Spiegel, miteinander verknüpft sind.

 

Das Außen beeinflusst das Innen - das Innen beeinflusst das Außen - aber nicht nur indirekt, sondern auf eine Weise, die spätestens am Ende der Suche die Frage aufwirft, ob das Äußere überhaupt existiert und nicht "nur" ein wegweisendes Abbild des Inneren darstellt.

 

Ob das, was man tags über die Augen, Ohren und weiteren Sinne wahrnimmt, nicht dasselbe ist, das man auch nachts in den Träumen vernimmt - nur dass es ihm, auf seine manipulative Weise, besser gelingt als dem Traum, uns zu täuschen.

 

Der Weg als Ziel

Das Gefundene im Inneren, der Schatz, das Licht, das Selbst, wird nur im Alltag bewahrt werden können, wenn man einen schmalen Gras mittels ständigen Steuerns und Gegensteuerns begeht.

 

Verlässt man den Pfad, fällt man schnell in eines der Extrema:

  • der Illusion, in der äußeren Welt man selbst zu sein
  • der Illusion, in der inneren Welt nicht mehr von der äußeren entfremdet zu werden.

Doch ist der schmale Grat des Selbstseins damit verbunden, weder der einen, noch der anderen Illusion zu verfallen. Vielmehr geht es darum, hier, im jetzt, immer wieder den eigenen Ruhepol zu finden und so den Ort der inneren Kraft zu finden.

 

Für den Nicht-Suchenden hört sich das alles sehr esotherisch an. Nur der Suchende wird verstehen, was hiermit gemeint ist, wenn es ihm gelingt, den Zweifeln zu trotzen, auf die die Illusionen auf beiden Seiten des Grats schnell führen.

 

Beschreitet man den Grat des Selbstseins lange genug bewusst, wir das Halten der Ballance früher oder später ein Teil des Unterbewusstseins, das dann diese Aufgabe übernimmt.

 



Leid und Schmerz

Beides, Leid und Schmerz, gehören aus dieser Sicht zu einer im Außenraum verursachten aber im Innenraum vernehmbaren Botschaft des Lebens, die helfen soll

  • entweder über das Leid liebevoll zu sich selbst zu finden
  • durch künftige Vermeidung desselben Verhaltens, das zu Leid und Schmerz geführt hatte, das Selbstsein besser zu verstehen.

Psychologische Ursachenforschung braucht dabei nicht betrieben zu werden, denn das Verändern des Verhaltens zu sich selbst - zum eigenen Selbst - birgt alles Notwendige in sich. Erinnerungen an die Vergangenheit lenken wohlmöglich sogar vom Selbstsein in diesem Moment ab.



Wann sind Sie wirklich Sie selbst?

Woran erkennen Sie dies?