Selbstbewusstsein

Sich nicht täuschen lassen



Zwei Definitionen

Selbstbewusstsein hat zwei komplett verschiedene Definitionen. Die erste entspringt der Entfremdung, die zweite kommt aus dem Verständnis der Zusammenhänge:

  1. Wer selbstbewusst ist, ist stark, stolz, aufrecht, lässt sich nichts gefallen, ist durchsetzungsstark und zielorientiert.
  2. Der selbstbewusste Mensch ist sich seiner selbst bewusst und erkennt, wann er er Selbst ist und wann vom Selbst entfremdet.

Der erstere, entfremdete, dysfunktionale Typus ist entweder eine Maske aus Pappmache, über die das obige (1) Verhalten simuliert wird und einer schwachen Entfremdung entspricht - oder eine Maske aus Beton, die der staken Entfremdung des Narzissmus entspringt.

 

Der zweite Typus entspringt dem funktionalen eigenen Wesen, dem Selbst, der Seele und weiß sowohl in sich als auch in allen anderen schnell intuitiv zu erkennen, ob der Mensch selbst gerade anwesend ist oder der Autopilot mit seinen archetypischen Begleitern des inneren Teams.

 

Wegen dieser Doppelbelegung verwenden wir den Terminus nur sehr selten.

Seiner selbst bewusst sein

Ist ein Mensch seiner selbst bewusst - oder sich seines Selbst bewusst - ist er geerdet. Er ist wahrhaftig und macht sich und anderen nichts vor. Er ist immer auf mehreren Ebene gleichzeitig unterwegs und vermag die Ich-Zustände, Ego-States oder Anteile voneinander zu unterscheiden - in sich und in anderen.

 

Jeder Angriff von außen, jede Missbilligung, jede Herabsetzung, jede Entwürdigung, jedes Besserwissen, jedes Mehr-Wert-Sein im Gegenüber wird sofort auf eine Entfremdung zurückgeführt.

 

Dasselbe gilt auch für jeden Angriff von innen, durch Archetypen oder Introjekte.

 

Auf diese Weise wird immer wieder an den Ort der Stillt zurück geführt, von dem aus - ausschließlich - eine bewusste Reaktion aus dem Selbst heraus auch nur ausgelöst werden kann.

 

Intuitiv verfügen alle Menschen über diese Eigenschaft und Fähigkeit. Nur verfügen die meisten aufgrund ihrer Entfremdung nicht mehr darüber. Sie sind stumpf geworden gegenüber dem wahhaft Menschlichen.



Stabilität durch die Erdung im Selbst

Hat man sein Selbst gefunden, bleibt man stabil im Selbst, verkörpert man das Selbst im Sein, gibt dies eine unglaubliche Stärke. Doch ist es nicht die Stärke von Macht, Status, Größe und Kraft, von Panik, Illusion und Wahnsinn, sondern die Stärke der Wahrhaftigkeit.

 

Im Buddhismus wird diese Fähigkeit beispielsweise durch Manjushri verkörpert. Hier ein Auszug aus der Wikipedia:

 

Manjushri gehört zusammen mit Avalokiteshvara und Vajrapani zu den drei großen Bodhisattvas. Er hilft, die Unwissenheit zu überwinden und Weisheit zu erlangen. Rechts mit der „männlichen Hand“ oder der „Methodenhand“ trägt er das Schwert, das die Unwissenheit zerschneidet und gleichzeitig als eine Fackel Licht in die Dunkelheit bringt. In der linken, „weiblichen“ Hand oder „Weisheitshand“ hält er das Buch der transzendenten Weisheit.

 

Er ist der Schutzherr der Gelehrten und Studierenden, gibt Inspiration und Erkenntnis, wenn man ihn anruft. Der erste Tag des tibetischen Jahres ist ihm geweiht. Er wird morgens angerufen, um mit seinem Flammenschwert die Dämonen der Finsternis zu vertreiben und das Licht zu bringen. Manjushri gilt außerdem als der himmlische Baumeister, der den irdischen Architekten beisteht, würdige Tempel zu bauen.



Warum ist es noch schwieriger, man sich des eignen Selbst' bewusst zu sein, als nur selbstbewusst?

Wieso ist es so viel schwieriger, selbstbewusst zu sein, als man selbst?

Wie unterscheiden sich diese beiden Frageperspektiven?