Das Selbst geht den Weg

Es geht darum, dem eigenen Wesen, dem Selbst, den Raum zu schaffen, den es braucht, es selbst sein zu können

Liebevolle, feinfühlige Herzlichkeit auf menschlicher Ebene  -  Offenheit und Neugier auf funktionaler Ebene



Selbst akzeptieren

Die Methodenkompetenz

  1. dient dem Lernenden, um Zusammenhänge zu verstehen und durch das Funktionieren der Methoden zu akzeptieren
  2. nützt dem Methodenerfahrenen zu erkennen, dass das eigene Selbst nicht nur den Methoden entsprechend arbeitet, sondern noch weit daüber hinaus zu gehen vermag.

Wird dies erkannt, kann das Gesund Erwachsen gewordene Kleine Ich

  1. anfangs wohlmöglich schrittweise
  2. schließlich aber vollständig

die angstbedingte Kontrolle abgeben und das eigene Selbst, das Wesen, aus sich heraus handeln lassen.

 

Selbst zulassen

Hier zwei kurze Gedichte, die dies veranschaulichen sollen:

 

Kyudo (Bogenschießen):

 

Die Spannung der Spannung -
Mein Bogen ist vollkommen gespannt -
Wohin fliegt der Pfeil in der Ferne?
Ich weiß es nicht.

Kendo (Weg des Zerschneidens/ Schwert):

 

Nicht an das Vorher denken,

Nicht an das Danach,

Davor und danach

Nur die Freiheit des Mittelpunktes.

 

Wenn das Kleine Ich und der Gesunde Erwachsene in uns die Kontrolle aufgegeben haben, wird das Wesen das vermögen, das beide nicht hinbekommen würden.

 

Selbst werden

Wohlmöglich ist die Übergabe der Kontrolle vom Kleinen Ich und Gesunden Erwachsenen an das eigene Selbst, die Wesensnatur, der schwierigste aller Schritte.

 

Eigentlich ist es ganz einfach:

  1. loslassen
  2. sich fallen lassen
  3. vertrauen.

Doch wie geht dies in der Praxis. Die Erkenntnis und Erleuchtung allein ist nicht ausreichend. Denn beides sind nur funkenartige Momentaufnahmen.

 

Bei der Selbstwerdung wird man selbst vielmehr zu seinem Selbst. ("Erklär' das mal jemandem", taucht hier vielleicht als Gedanke auf.)

 

Es geht darum, nicht nur seiner Intuition immer wieder zu folgen sondern zu seiner Intuition zu werden. Ich bin Intuition.


Übungen für das Selbst-Sein


Koan

Die Fähigkeit durch Nicht-Wissen und Nicht-Denken die Koan des ZEN (CHAN) "zu lösen" ist einer der elegantesten Wege das Selbst-Sein zu üben.

 

Überprüft werden kann "die Lösung" jedoch nur durch den Mentor selbst, der in diesem Prozess jedoch erst entstehen muss, oder aber durch einen ZEN-Meister, der auch wirklich verstanden hat, das Wesen zu erkennen.

 

"Lösen" steht hier in Anführungszeichen, da wir diese Tätigkeit meist mit Denken gleichsetzen. Doch gilt es bei dieser Art des Lösens genau diesen Apparatus in uns nicht zu verwenden.

 

Natürlich sein

Nicht verstellt sein, ohne Maske, ohne Motivation, ohne Willen und Ziel - natürlich zu sein, darum geht es.

 

Doch sobald das Ziel auftaucht, natürlich sein zu wollen, schaltet sich meist sofort ein Gehirnareal - also mindestens ein Persönlichkeitsanteil ein - das bzw. der/ die genau dieses Natürlichsein aus der eigenen Unnatürlichkeit heraus verhindert.

 

Natürlichsein erkennt man am Authentischen. Doch das Authentische bedeutet nicht, dass das Natürliche in Erscheinung tritt. Man kann auch authentisch wütend sein, das ist aber nicht das wesenshafte Natürliche, das gesucht wird.

Neugierig nicht wissen

Offenheit für Neues, ohne Vorbehalte, keine Zuneigung oder Ablehnung - weder auf menschlicher noch auf fachlicher Ebene.

 

"Wenn der Teufel es so will, soll er es auch so bekommen."

 

"Wenn ich den Teufel ohne Ablenhung davon abhalten kann, gut."

 

"Wenn ich den Teufel nicht davon abhalten kann, auch gut."

 

"Mehr als Transparenz schaffen und mizufühlen kann ich nicht."

 

"Zwinge einmal Einer den Teufel etwas zu glauben oder zu tun, das dieser ablehnt oder ihn von etwas abzubringen, das er liebt und als selbstverständlich und unantastbar ansieht...".



Anfängergeist

Hat man etwas oft getan, wird es nicht nur zur Routine. Früher oder später wird man nachlässig. Man kümmert sich nicht mehr darum, ob es wirklich immer noch so getan wird - ob es nicht vielleicht schon neue Erkenntnisse gibt. Man lernt schnell nicht mehr dazu.

 

Daher ist es gut, immer davon auszugehen, dass man nicht alles verstanden hat oder nicht mehr auf dem neusten Stand ist.

 

Welche Beispiele fallen Ihnen hierzu ein?

 

In welchen Wissensbereichen denken Sie, alles zu wissen?

 

Wie macht sich dies bemerkbar?

 

Was wäre, wenn Sie dort doch nicht alles wüssten?

 

Was ist das Problem am Nicht-Wissen, am Anfängergeist?

Beobachten und verstehen

"Aber Sie wissen doch wie das läuft...!", könnten Sie vernehmen.

 

Weder:

  • ja, ich weiß...!
  • nein, ich weiß nicht...!

Vielmehr den anderen ergründen:

 

"Sie meinen, es läuft immer auf dieselbe Weise? Und Einfluss darauf zu nehmen ist nicht von nutzen oder nicht sinnvoll?".

 

"Was ist es, das dazu beiträgt, dass es immer so läuft?".

 

"Was müsste geschehen, damit es einmal doch anders abläuft?".

 

Es geht also um das Ergründen des Vorhandenen.

 

Jede Ablehnung will vermieden werden. Vielmehr geht es um mitfühlendes Verständnis für die Wahrnehmung.

 

Dann erst über Auswirkungen philosophieren.

 

Das Selbst erkennen lernen

Woran erkennt man das eigene Selbst:

  • dass man man selbst ist?
  • dass man das Selbst ist?

Finden Sie heraus, wann Sie Sie selbst sind.

 

Das ist die Übung.

 

Lernen Sie so das Selbst-Sein

  1. erkennen und
  2. kennen.


Koan üben

Koan zu lösen, sich daran zu üben, ist ein weiterer Weg zum Selbst.

 

Allerdings ist es ohne Mentor schwierig zu erfahren, ob das Selbst es wirklich "gelöst" hat - oder ob es doch ein anderer Anteil war.


Literatur & Film