Shodoka

Das Lied des Erwachens

Yôka Genkaku, 665–713


Freund, erkennst du nicht diesen stillen Menschen des Weges, der Erwachen erlangt und Grübeln wie Gehabe aufgegeben hat?

Er legt weder Illusionen ab noch sucht er weiter nach der Wahrheit.

Die wahre Natur unserer Unwissenheit ist keine andere als unsere Buddha-Natur.

Der Begriff Buddha-Natur steht gleichzeitig für zwei Systeme:

  1. das Selbst - die Intuition - das Wesen - die Wahrheit
  2. das Kleine Ich in seiner Egozentrik das Illusionen folgt

Es akzeptiert deren Widersprüche und überwindet diese durch die systemische Erkenntnis, gleichzeitig in zwei Systemen zu leben. Durch diese Akzeptanz können Suche und Täuschung beendet werden.

 

Das meiste "Management", das man in der Welt findet, basiert auf Manipulation und Täuschung. Manager, die auf Transparenz und Sinn aus sind, und versuchen, Politik und Selbstzweck entgegen zu wirken, gibt es wenige.

 

Doch bringt es nichts, sich gegen Manipulation und Täuschung zu wehren, da man das System alleine kaum ändern werden kann. Erkennt man dies und hat man sich hierdurch gefunden, gibt es keine tiefere Wahrheit, die es zu verfolgen gäbe.



Unser leerer und illusionärer Körper ist der Dharma-Körper. Wenn wir zum Dharma-Körper erwachen, gibt es nichts mehr. Unsere eigene ursprüngliche Natur ist der wahre und immanente Buddha. Die Wolken der fünf skandha treiben vergeblich hierhin und dorthin. Die Blasen der drei Gifte entstehen und zerplatzen, leer.

Die drei Gifte sind Gier, Hass und Verblendung. Sie sind es, wegen derer 95 % aller "Manager" ihren Unternehmen schaden anstatt sie voranzubringen.

 

Die fünf skandha stehen für die Illusion, ein konstantes Ich zu besitzen, das nicht ständig wechselt - bedingt durch Sinne, Gefühle, Wahrnehmung, Geistesformation und Bewusstsein. Diese Wechsel und Täuschungen sind es, die Menschen in die Verwirrung der Illusion treiben.

 

Titel, Positionen, Verantwortungen und hohes Einkommen führen die meisten Manager in immer vollkommenere Unfähigkeit. Dies wird dem externen, bescheiden gebliebenen Berater nicht passiert. Anderes als die ersteren werden diese weit objektiver Beurteilen können. Sie werden von den Illusionen, die Titel & Co. erzeugen, nicht geblendet und gaukeln sich etwas vor.



Wenn jemand die Wirklichkeit der Dinge begründet, bleiben weder Mensch noch Dharma übrig. Das Karma der Avîci-Hölle ist sogleich ausgelöscht. Sollte ich lügen, um dich zu täuschen, möge meine Zunge auf ewig herausgerissen werden!

Avîci-Hölle steht für eine Welt aus Lügen und Betrug. Schaut man hinter die Maske der Lügner und Betrüger und versteht die Zusammenhänge, wird man selbst nicht mehr lügen und betrügen müssen, denn man hat den Schaden verstanden, den man sich selbst damit zufügt.



Im Augenblick, wo man plötzlich das Zen aller Buddhas erkennt, sind die sechs großen Tugenden und zehntausend Übungen vollständig in uns verwirklicht. In unserem Traum unterscheiden wir deutlich die sechs Daseinsbereiche. Nach dem Erwachen ist alles leer, nicht einmal das Universum verbleibt.



Da ist weder Unglück noch Glück, weder Verlust noch Gewinn. Im Frieden des Auslöschens gibt es nichts mehr zu suchen. Bis zu diesem Moment hat sich Staub auf dem Spiegel angesammelt. Heute ist die Zeit, sein Strahlen wiederherzustellen.

Als Durchschnittsmanager wird man über Risiken nicht sprechen, den sie bedeuten Unglück. Vielmehr wird man chancenorientiert sein und hoch Pokern, da man glaubt, so vielleicht Glück zu haben. Verluste begründet man durch das Versagen anderer, Gewinne hat man per Definition immer nur selbst erwirtschaftet.

 

Diese Form der Krankheit entsteht durch Selbstentfremdung. Denn das Selbst, unser Wesen, unsere Intuition, würde jede Art von Betrug sofort enttarnen.



Wer ist Nicht-Denken? Wer ist un-geboren? Wenn Un-Geburt wahr ist, dann existiert nicht einmal Nicht-Geburt. Um zu erfahren, wann man durch Verdienstansammeln Buddha wird, frag eine Marionette.

Gute Taten zu sammeln, um mehr Wert zu sein. ist nichts weiter, als die Traumata der Kindheit immer wieder erneut auszuleben. Das Kleine Ich rennt immer in die falsche Richtung.

 

Erst die Aufgabe der krankhaften Vorstellung von Wert wird das Große Ich, das Selbst, aktivieren. 

 

Man selbst zu sein, seiner Intuition zu vertrauen, mit dem Herzen zu denken - das das Nicht-Denken des Nicht-Geborenen, also Intuitives Denken, das nicht entstehen kann, da es eigentlich schon immer da war, wenn man es im Laufe des Lebens nicht verloren hätte.



Lass die vier Elemente hinter dir, behalte nichts zurück. Im Frieden des Nirwana esse und trinke, wie es dir beliebt. Alle Phänomene sind vergänglich, alles ist leer. Solcher Art ist das große und vollständige Erwachen Buddhas.

Keine Angst, keine Wut, keine Präferenzen, keine blinde Neugier - dies sind die vier Elemente. Erst wenn man über ihnen steht, wird man Gesund Erwachsen.



Einen wahren Mönch erkennst du an seiner entschlossenen Sprache. Wenn du nicht zustimmst, überprüfe es selbst. Das Schwert Buddhas dient dem Abschneiden an der Wurzel. Was bringt es schon, Blätter zu zupfen und nach Ästen zu suchen?

Es ist wichtig, nach den Ursachen des eigenen Handelns zu suchen, nach den Ängsten, der Wut und dem Hass. Rein symptomatisches kaschieren, wird die Ursachen nicht beeinflussen.

 

Ein schön getünchtes Leitbild wird das marode Innenleben eines Unternehmens nicht lange kaschieren können - vor allem nicht gegenüber den Mitarbeitern.



Der Mensch erkennt das kostbare Mani-Juwel tief in seiner Buddha-Natur nicht. Die wundersamen Fähigkeiten der sechs Sinne sind sowohl leer als auch nicht leer. Das vollkommene Licht des Juwels ist eine Form ohne Form.



Durch das Läutern der fünf Sichtweisen erlangt man die fünf Kräfte. Wer Erwachen verwirklicht hat, kennt das Unfassbare. Es ist nicht schwer, in einem Spiegel eine Form zu erkennen, doch wie könnte einer das Spiegelbild des Mondes im Wasser ergreifen?

Wird Angst überwunden, wird sie zu aktivem Sicherheitsdenken,

Wut wird zu dosierbarer Lebensenergie und Leidenschaft,

der Wunsch nach Zugehörigkeit wandelt sich in Kreativität,

der Wahn, eine Rolle zu erfüllen, in das einfache nur selbst Sein. Die bewusste Kontrolle wird abgegeben an das Selbst.

 

Die Vorgesetzte, die noch glaubt, ihren Mitarbeiter zurecht weisen zu müssen, wird der Welt damit ihre Unzulänglichkeit offenbaren. Nur Selbstsein schaffte authentisches Menschsein ohne Zwang.



Stets alleine gehend, alleine wandernd, so sind die Verwirklichten, die gemeinsam auf dem Weg des Nirwana reisen. Seit alters entspricht die Reinheit ihres Geistes einer natürlichen Vornehmheit. Ausgemergelte Gesichter, hervorstehende Knochen ziehen unbemerkt vorüber.

Es geht darum, jede Abhängigkeit von anderen zu überwinden und in der eigenen Achse zu stehen. Die aufrechte Haltung, geistig wie körperlich, erzeugt von allein natürliche Vornehmheit:

  • keine Anhaftung, Vorlieben, Zwänge
  • keine Ablehnung, Voreingenommenheit, Vorurteile

Kosten einzusparen ist für das Management wichtig. Eher sollte die Frage gestellt werden, was nicht getan zu werden braucht, statt was alles getan werden könnte. Doch hier und da wird man ohne deutliche Investitionsbereitschaft nichts erreichen. 



Die Söhne Shâkyamunis bezeichnen sich selbst als arm. In Wahrheit sind sie zwar körperlich arm, doch ihr Weg ist es nicht. Sie sind arm, weil sie grobe Kleidung tragen. Sie sind reich, weil sie in sich einen unermesslichen Schatz besitzen.

Was in den meisten Unternehmen etwas zählt, sind:

  • Position - in der Hierarchie
  • Macht - über Entscheidungen und Mitarbeiter
  • Verantwortung - von Geldbeträgen.

Man erkennt dies an:

  • der Etage und Größe des Büros
  • dem Preis der Firmenwagens
  • dem Gehabe und Gerede.

Doch all dies führt jeden Menschen erst einmal in die Verdummung durch Entfremdung. Diese gilt es zu erkennen, um sich selbst im Wahn bremsen zu können. Besser bescheidener Berater werden, der den Entfremdeten hilft, sich selbst neu zu entdecken.



Sie verwenden diesen Schatz, ohne ihn je zu verbrauchen, überhäufen damit andere, jeden nach seinem Bedarf. Die drei Körper und vier Weisheiten sind in ihrem Leib vollkommen. Die acht Befreiungen und sechs Unterscheidungen sind in ihren Geist eingeprägt.

Die vier Weisheiten oder Wahrheiten sind:

  1. Alles Bedingte ist Leid
  2. Leid hat eine Ursache
  3. Es gibt ein Ende des Leids
  4. Es gibt einen Weg zum Ende des Leids.

(1) Das cholerische Verhalten des Projektleiters ist bedingt durch das Gefühl eigener Minderwertigkeit. (2) Das Gefühl der Minderwertigkeit stammt meist aus einem hierarchisch orientierten und damit pathologischem Elternhaus. (3) Das Ende des Leids kommt durch das Ende der Wertung in besser und schlechter. (4) Der Weg dorthin ist die Aufgabe von Lob und Tadel seiner selbst - und die damit einhergehende Selbstwerdung.

 

Als man selbst wird man in vielen Unternehmen, in denen Hierarchie symptomatisch kollektive Geisteskrankheit verkörpert, nur schwerlich einen Platz finden. Dennoch gibt es diese Plätze - auch im Unternehmen.

 

Die drei Köper stehen für:

  • Dharmakaya (Dharmakörper)
  • Sambhogakaya
  • Nirmanakaya
 des Mahayana-Buddhismus.
Dharmakaya bedeutet, dass der Geist von vorn herein erleuchtet  und leer ist. Damit ist gemeint,
  1. dass es ein wirkliches Ich nicht gibt, da dieses ständig wechselt
  2. dass es ein Selbst gibt, das dies nicht nur weiß, sondern als einziger konstanter Faktor im Menschen auch gefunden werden möchte.

Es geht im Management darum, jeden Rollenwahn aufzugeben und authentisch zu Selbst zu werden. Authentizität verstehen die meisten falsch, im Herauslassen von Emotionen. Das ist jedoch Krankheit, nicht Selbstsein.

 

Sambhogakaya steht für den Freudenkörper. Dieser entsteht, wenn man:

  • Angst in Sicherheitsdenken wandelt
  • Wut in Lebensenergie
  • Abhängigkeit in Empathie und später Herzlichkeit
  • Rollenwahn in Transparenz und später Lösungsorientierung.

Im Management geht es darum, den Glauben, man wüsste irgend etwas, abzulegen und stattdessen objektive, wahrhaftige Methodenkompetenz zu entwickeln.

 

Nirmanakaya ist der Ausstrahlungs- und Manifestationskörper im klassischen Raum-Zeit-Gefüge. Hier besteht die Aufgabe im Akzeptieren krankhaften Verhaltens der Umwelt durch das Entwickeln von Mitgefühl.

 

Für den Berater bedeutet dies zum Beispiel, sich nicht über die Wahnvorstellungen und das kranke Verhalten seiner Kunden aufzuregen, sondern mittels Mitgefühl den Kranken das zu geben, was sie brauchen.

 

Zusammengefasst:

  • Dharmakaya  =  Gesund Erwachsen
  • Sambhogakaya  =  Pragmatismus und Lösungsmethodik
  • Nirmanakaya  =  Herzlichkeit und Lösungsorientierung


Ein überlegener Geist schneidet mit einem Hieb durch und erlangt Verständnis von allen Dingen. Ein mittelmäßiger oder minderer Geist studiert und hinterfragt vieles. Zieh deinem Geist einfach die schmutzige Wäsche aus, aber gib vor anderen nicht mit deinen Fortschritten an.

Bereits der Gesunde Erwachsene, vor allem aber der Mentor/ die Mentorin werden durch Methodik bzw. Selbstverbundenheit alle Krankheiten erkennen und Irrsinne durchschauen können.

 

Überlegenheit ist hierbei nicht als besser im Rahmen einer hierarchischen Ordnung gemeint, sondern als weiter entwickelt.

 

Sagt der Vorgesetzte wütend, "Nein, das machen wir nicht!", braucht dies nicht hinterfragt oder studiert zu werden - denn die Cholerik zeigt bereits auf, dass sich das Gegenüber im Wahnzustand befinden, in dem Fragen nicht sinnvoll beantwortet werden können. Erkennt man dies, erspart man sich Fragen für einen gesünderen Zeitpunkt.



Nimm Kritik und Beleidigungen an. Ihre Absicht ist das Erzürnen der Himmel, doch sie bewirken nichts. Ich höre und genieße sie wie süßen Nektar. Sie schmelzen in mir, und sogleich trete ich ins Unfassbare ein.

Kritik und Beleidigungen kommen immer aus dem reptilienartigen Stammhirn. Verstand und Menschlichkeit des Beleidigenden sind in diesem Moment ausgeschaltet. Das Gegenüber befindet sich im Golem-Modus des Kriegers oder Vernichters.

 

Jeder Golem ist immer nur ein Schwellwächter. Schwellwächter dienen immer nur dem Üben neuer Fähigkeiten. Es handelt sich also nur um einen Test der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Bestanden wird der Test durch Gelassenheit. Nicht bestanden wird er, wenn man sich vom Schwellwächter in den Abgrund eigener Ängste, Wüte und Rache treiben lässt. Damit eskaliert zudem meist die Situation.



Meditiere über schmähende Worte und mach sie zu deinen Freunden, das wird dich auf dem Weg des Guten leiten. Wenn eine Verleumdung in dir Hass erzeugt, wie kannst du da die Weisheit und das Mitempfinden des Ungeborenen manifestieren?

Es ist wichtig, den Schwellwächter und das Testszenario als solche zu erkennen. Dies ist der Weg zum Selbst.



Das Durchdringen der ursprünglichen Realität und das Durchdringen der Lehre gehen Hand in Hand. Wenn Konzentration und Weisheit vollkommen klar sind, versauert man nicht in der Leere. Mit diesem Verständnis bin ich nicht allein. Alle Buddhas, so unzählig wie die Sandkörner des Ganges, sind wie ich.

Die Kunst des Mentor besteht darin, sich nicht mehr von Schwellwächtern täuschen zu lassen.



Der Löwe brüllt von der furchtlosen Lehre. Sie zertrümmert die Schädel der Tiere, die davon hören. Auf der Flucht verliert der Elefant seine Würde. Nur der Drache lauscht entzückt in der Stille.

Mentor und schon Gesunder Erwachsener bleiben in emotionalen Situationen ruhig, gelassen, sachlich, empathisch und konzentriert. 

 

Auf andere wirkt dies erleuchtend, beruhigend und aufschlussreich wie das alleserweckende Brüllen eines realen Löwen. Man erkennt die "Unbesiegbarkeit" des Mentors/ Gesunden Erwachsenen.

 

Aggressoren erkennen die Sinnlosigkeit ihrer Wut gegenüber dem Ruhigen, Konzentrierten, Sachlichen, der sich nicht emotional beeindrucken lässt.


Sie ergreifen die Flucht - und das gerade noch Imposante eines wutschnaubenden Elefanten wandelt sich in die Würdelosigkeit eines Phobikers.

 

Es tritt Stille ein. Das Selbst in den Verweilenden, die Drachen, verstehen, erkennen und genießen.

 

Im Management gilt es, sich nicht von Wutausbrüchen und Kränkungen treffen zu lassen, sondern sie als Schwellwächter, Golem, Roboter, Archetypen zu identifizieren. Damit deaktiviert man diese Programmmuster der Unmenschlichkeit.

 

Gegenwut oder Rache wären hingegen fatal. Sie zeigten den kleinen Geist, der entsteht, wenn man den Test dahinter nicht versteht. Konzentration bedeutet, sich nicht in die Irre führen zu lassen und selbst den Golem zu erwecken.



Ich habe Flüsse und Ozeane durchquert, bin über Berge gezogen und durch Ströme gewatet. Auf der Suche nach dem Weg habe ich Meister befragt und Zen praktiziert. Nun, da ich den Weg Sôkeis gefunden habe, weiß ich, dass mich Geburt und Tod nicht kratzen.

Viele Heldenreisen durch den eigenen Abgrund lassen das Archaische im Menschen sterben, zugunsten des Gesunden Erwachsenen, der das Selbst sucht und schließlich findet:

  • das Archaische stirbt
  • das Gesunde wird geboren.

Früher oder später gewöhnt man sich daran.



Gehen ist Zen, Sitzen ist Zen. Redend, schweigend, sich bewegend, ruhend, ist der Körper in Frieden. Beim Anblick der Schwertklinge bleibt der Geist abgeklärt, angesichts von Gift gelassen. Mein Meister ist dem Buddha Nentô begegnet, als er während zahlloser Kalpa der Asket Ninniku war.

Das ZaZen im ZEN, das Nur-Sitzen, japanisch Shikantaza, ist nicht der einzige ZEN-Weg. ZEN ist auch im Gehen, Stehen, Abwaschen, Essen und Management umsetzbar. Einfach machen, ohne Emotionen nachzugehen und damit Gedankenlabyrinthe zu erzeugen und sich darin schließlich zu verlieren.



Wie viele Male wurde ich geboren? Wie viele Male bin ich gestorben? Geburt und Tod kommen und gehen ohne Ende. Und doch, wenn jemand plötzlich das Ungeborene versteht, freut er sich nicht über Lob und ist nicht über Tadel bekümmert.

Ziel der Heldenreisen ist das Auffinden des Selbst. Hat man es gefunden und ist man zu diesem Selbst geworden, sind auch keine Heldenreisen mehr nötig. Das Selbst ist Formlos. Kein Ego ist mehr da, um getroffen und verletzt zu werden. Man sucht weder weiter im Außen, noch im Innen, denn das Gesuchte wurde gefunden.



Ich dringe tief in die Berge vor, lebe in einer Klause unter einer hohen Kiefer auf einem steilen Gipfel über dem Abgrund. Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr, heitere Einfachheit.

Der Gesunde Erwachsene Berater braucht weder Macht noch Status. Er hat diese Welt hinter sich gelassen. Die Krankheit wurde überwunden.

 

Macht und Status sind Verführer - Schwellwächter, die Kirke- und Sirenen-artig in die Tiefe locken.



Wenn wir erwachen, begreifen wir, dass Verdienste nicht existieren. Alles ist von der bedingten Welt verschieden. Ein Geschenk, das man aus dem Wunsch macht, in hohen Gefilden wiedergeboren zu werden, ist ein Pfeil, der in den leeren Himmel geschossen wird.

Das Streben nach einer hohen Position, Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender zu werden, bewahrt nicht vor dem Tod. Im Gegenteil: für wirkliche Erkenntnis darf ich mich nicht mehr blind verführen lassen und dieser Illusion hingeben.



Wenn seine Energie verbraucht ist, fällt er auf die Erde zurück und riskiert, eine unerwünschte Wiedergeburt zu provozieren. Wie kann man das mit dem Tor der unbedingten Wirklichkeit vergleichen, die man mit einem Sprung klärt, indem man das Land Buddhas betritt?

Der Burnout führt immer in einer Art Tod. Dieser kann körperlich sein, man stirbt. Er kann aber auch die Wiedergeburt des Selbst bedeuten.

 

Verausgabt man sich nicht, da man erkennt, dass alles Streben über die eigenen Grenzen hinaus fatal wäre, wird man "das Land Buddhas betreten haben". Man hat sich Selbst gefunden und bewahrt auch dieses Selbst - unter anderem mittels eines gesunden Energiehaushalts.



Ergreife die Wurzel, mach dir keine Sorgen um die Zweige, genau wie das durchscheinende Juwel das Licht des Mondes schluckt. Ich weiß jetzt, dass dieses Wunsch erfüllende Juwel mir selbst und anderen ein unerschöpflicher Schatz ist.

Die eigene Quelle zu finden, die symbolisch wie ein helles Licht im inneren scheint, führt schneller zum Selbst, als ständig zu schauen, wie man auf andere wirkt und sein Verhalten wandelt.



Der Mond funkelt auf dem Fluss, der Wind spielt in den Kiefern. Reines Dämmerlicht einer langen Nacht – warum all dies? Buddha-Natur, das Juwel der Gebote, ist in den Tiefen unseres Geistes eingeschrieben. Niesel und Tau, Nebel und Wolken kleiden unseren Körper.

Das Leben ist Natur und Poesie - harte Fakten sind etwas anderes.



Die Schale hat die Drachen unterworfen, der Stab die Tiger getrennt. Seine angehängten Metallringe klingen laut und klar. Wir tragen diese Wahrzeichen nicht vergebens. Aufs Engste folgen wir den Abdrücken von Buddhas Stab.

Der Drache in seiner Eischale steht stellvertretend für das im Menschen gefangene Selbst. Das Selbst muss aus seinem Ei schlüpfen. Dazu muss die harte Schale des kontrollierenden Kleinen Ich' durchstoßen werden. 

 

Die Metallringe am Stab des Schamanen, des erleuchteten, also zu seinem Selbst vorgedrungenen Menschen und Mentors, vertriebt die bösen Geister.

 

Der klingende Stab des Gesunden Beraters wird die Kampfhähne dieser Welt auf Abstand halten und den Suchenden den Weg erklingen lassen.



Suche nicht nach Wahrheit, trenne dich nicht von Täuschung. Verstehe, dass beide leer und frei von Eigenschaften sind. Die Abwesenheit von Eigenschaften ist weder Leere noch Nicht-Leere. Es ist die tatsächliche Realität Buddhas.

Geld, Macht und Status sind Täuschungen. Sie erzeugen EGO. Doch EGO ist nichts weiter als ein sich ständig schlangenartiges, sich windendes, kontrollieren-wollendes Kleines Ich. Dahinter verbirgt sich nicht als Leere.

 

Aber auch das Selbst ist leer - denn es strebt keine Form mehr an, da es weiß, dass dieses auch wiederum leer ist.

 

So gibt es kein Streben mehr - das ist die Definition von Selbst, Selbstsein und des Begriffes Nirwana.



Der leuchtende Spiegel des Geistes erleuchtet ohne Hindernis. Seine immense Strahlkraft durchdringt unzählige Welten. Hier geschieht es, dass die zahllosen Phänomene widerspiegeln. Dies ist ein Juwel vollkommenen Lebens, ohne Innen noch Außen.

Jemand, der sich selbst gefunden hat und Selbst ist, wird in der Welt schon von Weitem erkannt werden.

 

Ebenso wird man die Finsternis der krankhaften Selbstentfremdung unbewusst im Raum als negative, bedrückende Energie erspüren können.



Plötzlich offenbart, vernichtet Leere die Ketten von Ursache und Wirkung, die Verwirrung, Chaos und Unglück anziehen. Doch das Existierende abzulehnen und sich an die Leere zu hängen ist ebenfalls eine Krankheit, so als würdest du dich in ein Feuer stürzen, um Ertrinken zu vermeiden.

Die Revolution, die vermeintlich aus Idealismus die Diktatur stürzt, ist nicht besser als die Diktatur selbst. Trotz und Diktatur sind dieselben Geisteskrankheiten. 

 

Erst wenn der Revolutionär erkennt, dass der Diktator nur ein Schwellwächter ist, wird er die Revolution aufgeben, zugunsten einer Selbstwerdung. 


Damit erzeugt Feuer nicht mehr Feuer und vermehr dieses - sondern erlischt das Feuer am Ende vollständig. Verschwindet der Schwellwächter gibt es auch keine Schwelle mehr.



Die Illusion ablegen wollen, um die Wahrheit zu erfassen, deutet auf einen Geist mit Vorlieben, der zu trügerischen Entscheidungen führt. Einem Schüler, der so übt, mangelt es an Einsicht, so dass er wahrhaftig einen Dieb für seinen Sohn halten könnte.

Illusion und Wahrheit bedingen einander:

  • ohne die Illusion kein Erkennen der Wahrheit
  • ohne Erkennen der Wahrheit, kein Erkennen der Illusion.

Nur durch die Illusion findet man zur Wahrheit. Doch nur der Wahrheit verhaftet zu sein, führt zur Lebensunfähigkeit in der unvermeidbaren Illusion.

 

Die Selbstentfremdung im Geschäftspartner zu enttarnen und aufzuzeigen beendet meist die Geschäftsbeziehung.



Wir vergeuden die Reichtümer des Dharma und zerstören sein Verdienst, indem wir uns auf unterscheidendes Denken verlassen. Darum lehnt ein Zenschüler dies ab, um durch die Kraft unmittelbarer Erkenntnis sogleich ins Ungeborene eintreten zu können.

Dies ist die Illusion - dies ist die Wahrheit. Diese Unterscheidung kommt immer aus Neocortex und Stammhirn. Wichtig ist, die Illusion als Wegweiser zu sehen, die Wahrheit nicht nur zu finden, sondern auch immerzu auf diesem Weg bleiben zu können:

  • Wahrheit ist der Weg
  • Illusionen sind die Wegweiser.


Ein bedeutender Mensch ergreift das Schwert der Weisheit aus diamantener Flamme und prajnâ-Spitze. Er zertrümmert nicht nur den Ketzergeist, er macht auch die Frechheit Maras zunichte.

Nicht gegenangreifen - einfach nur sichtbar machen.



Indem er die Trommel schlägt, aktiviert er den Donner des Dharma. Er sendet eine Wolke voll Mitleid und Regenschauer aus Ambrosia. Drachen und Elefanten frohlocken und posaunen seine unermesslichen Wohltaten hinaus, die alle Wesen der drei Fahrzeuge und fünf Familien erwecken. Ungetrübt liefert mir das Hini-Gras der schneebedeckten Berge die reine geklärte Butter, die allein mich nährt.

Ich werde andere nicht retten können. Ich kann ihnen nur den Weg erleuchten, den sie aber dennoch selbst gehen müssen. Nur das Retten meiner Selbst werde ich wirklich bewirken können und zu neuer Energie und damit Leuchtkraft finden, diejenige, die anderen dann den Weg zeigt.

 

Dies hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Pragmatismus:

 

Ich muss eine Erdbeere gekostet haben, um zu erfahren wie sie schmeckt. Kein Guru dieser Welt kann mir das Kosten - den Weg selbst zu beschreiben - abnehmen.



Eine Natur durchdringt vollständig alle Naturen. Ein Phänomen enthält alle Phänomene. Ein einzelner Mond erscheint im Wasser, Myriaden Reflektionen gehen von ihm aus.

Der Gesunde Erwachsene erkennt von Natur aus die vielen Naturen des sich wandelnden, zwanghaften Kleinen Ichs.

 

Erkenne ich die Minderwertigkeitsgefühle im Vorgesetzten in Form seiner Wut, weiß ich, dass jede Form von Wut immer ein Ausdruck subjektiv empfundener Minderwertigkeit ist.



Der Dharma-Körper aller Buddhas durchdringt meine Natur,

meine Natur und Buddha bilden eine Natur.

Wenn eine Ebene durchschritten ist, dann sind es alle.

Da ist weder Form noch Geist noch karmisches Handeln.

Der Gesunde Erwachsene erkennt das Kleine Ich in all seinen Formen. 

 

Alle Gesunde Erwachsene sind identisch.

 

Ist man einmal Gesund Erwachsen geworden, wird man alle Kleinen Ichs (sich wandelnde EGOs) erkennen und durchschauen können.

 

Die Form manifestierter Wut, Angst oder Hasses, das wahnhafte "Gedankengut" und das zwanghafte Gut-sein-Wollen, lösen sich im Nichts auf. Man erkennt deren Bedeutungslosigkeiten.



Mit einem Fingerschnippen sind die achtzigtausend Lehren vollendet, und in einem Augenblick sind die drei großen Kalpa vernichtet. Zahlen und Worte sind weder Zahlen noch Worte. Was haben sie mit meinem wundervollen Erwachen zu tun?

Sie sind die Illusionen, die den Weg weisen.

 

Die Wut der sich als minderwertig empfindenen Chefs ist lediglich der Wegweiser zum eigenen Selbst. Ohne Wut und Hass in der Welt, könnte man das Selbst wohlmöglich nie finden.



Weder lobens- noch tadelnswert, wie grenzenloser Raum, der Körper leer, ist es stets genau hier, klar und still. Doch, Freund, wenn du danach suchst, wirst du es nicht finden.

Das Kleine Ich wird das Selbst nicht finden, denn es ist zwanghaft und verkrampft. Das Große Ich wird es finden könnten. Doch ist es eigentlich nur die Illusion des EGOs in der Tiefe, die gefunden werden kann, um es zu integrieren. Erst dann wird sich das Selbst von selbst zeigen.



Es kann weder angenommen noch abgelehnt werden.
Man kann es nur im Herzen des Unfassbaren ergreifen.

Es ist egal, ob man gemocht oder abgelehnt wird. Die meisten Menschen mögen und lehnen ab, auf Basis ihres momentanen, komplett labilen, zufälligen und von außen gesteuerten Ich-Zustands, auf roboterartige Weise. Es ist nichts darauf zu geben, weder auf Lob noch auf Kritik. Sie kommen aus dem Nichts, so wie plötzlich der Wind weht oder es anfängt zu regnen.

 

Man kann auch nicht plötzlich man selbst werden und sich aktiv dazu entscheiden, es auch zu bleiben. Selbstwerden heißt loslassen, von allem.



Wenn Reden Schweigen ist und Schweigen Reden, dann öffnet sich die Tür des großen Geschenkes von selbst, ohne Blockierung.

Redet man nicht dazwischen, zeigt sich die Wahrheit von selbst. Mischt man sich ständig ein, verkompliziert man nur das Labyrinth, in dem man sich immer tiefer verfangen wird:

  • Zuhören ist Schweigen.
  • Spiegeln des Gehörten ist Reden.

Zwanghaft zu denken, von nun an nur noch zuzuhören, ist wieder Entfremdung.



Sollte mich jemand fragen, nach welchem Prinzip ich mich richte, dann antworte ich: „Nach der Kraft der Weisheit.“ 

Prinzipiendenken führt schnell zu Differenzierung in links und rechts. Das Labyrinth entsteht. Gut ist es, das Labyrinth gar nicht erst entstehen zu lassen. Dies ist Weisheit.

 

Es geht nicht darum, sich festzulegen. Es geht darum, intuitiv das zu tun, was getan werden muss - auch ohne Unterscheidung von richtig und falsch.



Was sind gut und böse? Keiner weiß es.

Keine Unterscheidung - denn die Marionette unterscheidet, dem Strippenzieher ist dies egal.