Sandokai

Die Harmonie von Relativem und Absolutem

Sekito Kisen (700-790)  [Chinesisch: Shitou Xiqian]


Der Geist des großen Weisen aus Indien

wurde direkt von Westen nach Osten übermittelt.

Die Herzlichkeit des Wesens löscht das Feuer des Ostens.

 

Sie auch den Archetypenkompass.



Menschen unterscheiden zwischen Dummen und Klugen,

doch auf dem wahren Weg gibt es

keine Patriarchen des Südens oder des Nordens.

Klugheit steht für den Norden.

Dummheit und Ängstlichkeit für den Süden.

 

Klug und dumm sind Unterscheidungen.

Unterscheiden wecken Areal und Archetypus des Kriegens.

Doch Krieg ist abseits vom Weg.

Daher spielen Klugheit und Dummheit keine Rolle.

Beide, der vermeintlich Kluge und Dumme, können ihr Selbst finden.

Nicht einmal sagen kann man, wer von beiden schneller sein wird.

 

Im Management - wer will klug von dumm unterscheiden wollen, ohne sich damit selbst als der Dumme zu entpuppen?



Die Quelle der Lehre ist rein und ohne Makel.

Bäche, die sich verzweigen, fließen in der Dunkelheit.

Je komplexer der Weg wird, desto eher führt er in die Irre.

 

KeieiDo schafft Transparenz, auf Basis von Herzlichkeit, und hilft beim Wandel.

 

So einfach muss es sein. So einfach ist auch Management. 

 

Keine Regeln, keine Formeln - nur Intuition.



An einer Idee zu haften ist Täuschung.

Die Wahrheit zu erkennen ist auch nicht immer Erleuchtung.

Täuschung und Wahrheit ist immer miteinander verbunden.

Erst das Zusammenspiel ist Erleuchtung.

Dies findet sich schon in der Methodik des Gesunden Erwachsenen wieder.



Die Sinne und ihre Objekte sind eng miteinander verbunden

und gleichzeitig voneinander unabhängig.

Doch trotz ihrer unendlichen Verbundenheit

haben sie alle ihren eigenen Ort.



Dinge unterscheiden sich in Wesen und Form.

Im Geschmack, Klang und Gefühl

manifestieren sich gut und schlecht.

Im Dunkeln sind hochwertig und minderwertig

nicht zu unterscheiden.

Im Hellen wird der Gegensatz von rein und unrein deutlich.

Form ist Illusion  - der Anschein, die Maske, das Scheinbare.

Wesen ist Intuition - diese ist formlos, nicht greifbar, einfach nur da.

 

Die Illusion manifestiert ihre Form durch Geschmack, Klang und Gefühl, Rolle und Bewusstsein. Das Kleine Ich unterscheidet diese und gut und schlecht. Damit werden sie voneinander abgegrenzt.

 

Schnell vergisst man, als Autofahrer, dass der Radfahrer auch "nur" ein Mensch ist. Schnell vergisst man als Radfahrer, dass der Fußgänger ebenfalls ein Mensch ist. Die Schwarmintelligenz und das Abgrenzen des Menschen macht aus Gruppen automatisch Feinde. Dies sind Eigenschaften des Kleinen Ich.

 

Als Führungskraft vergisst man schnell, dass man selbst auch einmal Mitarbeiter war. Als Mitarbeiter kann man sich nicht vorstellen, wie es ist, tatsächlich Führung zu übernehmen. Schnell vergisst man, dass hinter allen Rollen immer nur ein Mensch steckt, mit seinen Einzigartigkeiten - aber auch mit seinen Traumata.

 

Das Wesen des Menschen, die Intuition, unterscheidet nicht. Sie schaut neugierig und behutsam und versucht, das Gegenüber in sich selbst zu erkennen, denn es weiß, dass der Kern allen Individuellen derselbe ist - das Individuelle selbst / das individuelle Selbst.

 

Das Wesen lebt im Unterbewussten - daher Dunkelheit.

Das Kleine Ich sucht bewusste Kontrolle - daher Licht.

 



Die vier Elemente kehren zur ihrer Natur zurück,

wie ein Kind zu seiner Mutter.

Feuer erhitzt, Wind bewegt, Wasser nässt, Erde ist fest.

Im Archetypenkompass sind die vier Elemente die Grundbestandteile.

 

Dysfunktional sind es:

  • Erde - Angst - Wunsch nach Sicherheit
  • Feuer - Wut - Wunsch nach Respekt
  • Wasser - Trauer - Wunsch nach Gemeinschaft
  • Luft - Freude - Wunsch nach Sinn und Rolle

Das Dysfunktionales dieser Anteile kommen im Kleinen Ich als Zwänge und damit Krankheiten zum Vorschein.

 

Die Aufgabe des Gesunden Erwachsenen, der im Zentrum des Archetypenkompass steht und im Zentrum der Heldenreise, die ebenfalls durch die Welten der vier Elemente verläuft, besteht in der Transformation der Zwänge in methodische Fähigkeiten.

  • Sicherheit gibt Stabilität - die Angst kann verschwinden
  • Feuer gibt Lebenskraft - Respekt verliert seine Bedeutung
  • Wasser verändert - keine Festhalten und keine Verlusttrauer
  • Wind bringt Veränderung - Wissen weicht Methodik


Für die Augen gibt es Farbe und Form.

Für die Ohren gibt es Klang.

Für die Nase gibt es Geruch.

Für die Zunge gibt es Geschmack.

 

Jedes Phänomen entspringt der Wurzel,

so wie Zweige und Blätter aus dem Stamm sprießen.

Wurzel und Baumspitze

kehren zu ihrer ursprünglichen Natur zurück.

Vorlieben und Abneigungen bringen uns dazu

  • eine Farbe als schön - eine andere als hässlich ...
  • eine Musikrichtung als angenehm - eine andere als unangenehm ...
  • einen Geruch als Duft - einen anderen als Gestank ...
  • einen Geschmack als lecker - einen anderen als eklig ...

zu bezeichnen.

 

Die Unterscheidung ist zum großen Teil anhängig vom Archetypus, den das Kleine Ich spontan zur Kontrollbewältigung ausgesucht hat.

 

Nutze ich als Mensch die Rückmeldung des Körpers, also des Kleinen Ichs, als Indikator des gewählten Archetypus und damit für meinen aktuellen psychologischen Status, meine assoziierten und dissoziierten Persönlichkeitsanteile, werde ich darin Wegweiser zum eigenen Selbst finden und kann diesen folgen.

 

Verheddere ich mich hingegen im Primitiven von Zuneigung und Abneigung, werde ich mich in diesem Labyrinth verirren - und damit nicht den Weg zu meiner ursprünglichen Natur in mir finden können.

 

Im Unternehmen werden Sätze wie

  • "Das haben wir aber noch nie so gemacht!"
  • "Das haben wir aber immer schon so gemacht!"

einen Wandelt solange unmöglich machen, solange ich diese nicht als Indikatoren der Identität des Unternehmens erkenne und zuhören lerne. Denn nur so werde ich die ursprüngliche Natur des Unternehmens erfahren können und Symptome von Ursachen zu trennen vermögen.



Hohe und niedrige Worte sind unterschiedlich.

In der Helligkeit da ist tiefste Dunkelheit,

hafte nicht an der Dunkelheit.

In der Dunkelheit da ist Helligkeit,

aber suche nicht nach der Helligkeit.

Dunkelheit und Helligkeit wechseln einander ab

wie beim Gehen der vordere und hintere Fuß.

Etwas, das heute eine gute Entscheidung ist, kann sich morgen als ungute herausstellen.

 

Der überdurchschnittliche Gewinn in einem Monat kann im kommenden Monat einen Verlust nach sich ziehen.

 

Die eine Aufgabe wird ein Mitarbeiter mit Bravour lösen, an einer anderen, auch ähnlichen, könnte er scheitern.

 

Bin ich mir all dessen bewusst, wird es mich nicht mehr groß tangieren, sondern ich werde es als normal hinnehmen und meinen Fokus vom Detail auf die Metaebene heben können. Kleingeist weicht Großem Geist.



Jedes Phänomen hat seinen Wert.

Ihr solltet darauf achten,

wie die Wahrheit zum Ausdruck gelangt.

Das Relative passt zum Absoluten

wie ein Deckel zu seinem Behälter.

Das Absolute und das Relative entsprechen einander wie zwei Pfeile,

die sich im Flug begegnen.

Die Wut eine Kollegen könnte aufzeigen, dass der Kollege wütend ist.

Doch ist Wut nicht ihrer selbst wegen da.

Die Wut ist lediglich ein Indikator für etwas Größeres.

Dieses Größere will erkannt werden - bewusst oder wenigstens unterbewusst.

Hinter der Form der Wut steckt immer das Formlose, das sich bemerkbar machen möchte.

Verfange ich mich in Wut und Gegenwut, indem ich sie persönlich nehme, habe ich den Zusammenhang nicht verstanden.

Hinterfrage ich die Wut, werde ich zu den Wurzen, den Ursachen, durchdringen, und etwas sinnvolles erfahren und damit ändern können.

 

Die Emotion stellt dabei das Relative dar.

Die Ursache für die Wut ist das Absolute.

Ohne die Ursache entsteht keine Wut. 

Es entsteht keine Wut ohne eine Ursache.

 

Die Warnleuchte im Management-Cockpit leuchtet immer, um auf etwas ursächliches hinzuweisen.

Ärgert mich die Warnleuchte oder ängstigt sie mich und mache ich sie daher kaputt, um nicht mehr zu ärgern oder zu ängstigen, werde ich die Ursachen nie erkennen können, um sie dann anzugehen.

 

Die Lampe leuchtet nicht ohne Grund. Ohne potenziellen Grund gäbe es nicht einmal eine Lampe.

 

Die Lampe ist das Relative. Der Sensor hinter der Lampe ist das Methodische. Die defekte Heizung (als Beispiel) ist das Absolute.

 

Die zwei Pfeile, die sich im Flug begegnen, sind der Sensor, das Kabel, die Schnittstelle.

 

Im wütenden Kollegen ist es das Kleine Ich mit seinen Bedürfnissen, dass das Auftreffen der Pfeile darstellt.



Hörst Du die Worte,

solltest Du die Quelle der Lehre verstehen.

Entwickle keine eigenen Maßstäbe.

Erkennst du den Weg nicht mit deinen Augen,

wie sollten dann deine Füße um ihn wissen?

In der Übung fortschreiten ist weder fern noch nah.

Im Zustand der Täuschung bist du Berge und Flüsse davon entfernt.

Am Beispiel der circa 20 Stufen der Persönlichkeitsentwicklung im KeieiDo erklärt:

 

Würden diese bedeuten, dass sie in einer chronologischen, kausalen Reihenfolge durchlaufen werden müssten, würde dies einen einheitlichen Weg aufzeigen, der begangen werden müsste, um ein konkretes Ziel - dann aber auch mit entsprechender Sicherheit - zu erreichen.

 

Doch diese Stufen sind lediglich Indikatorenlampen für den aktuellen Teilstand. Sie zeigen nur den kürzt möglichen Pfad zum Selbst auf und die Art der Entfremdung von ihm.

 

Das Selbst zu finden wird hiermit beeinflusst. Wie schnell es erreicht wird, ob spontan oder erst in einigen Jahren, wird hierdurch nicht interpretiert.

 

Daher können die circa 20 Stufen nur Wegweiser sein, die man zu Hilfe nehmen kann, aber niemals ein Maßstab, der zeigt, ob gut oder schlecht, weit oder fern.

 

Vielmehr geht es nur um Entfremdung und Verschmelzung, Unterscheidung und Einheit.



Ich fordere alle Sucher der Wahrheit ehrerbietig auf:

Vergeudet eure Tage und Nächte nicht.

Die Auflösung liegt in der Mitte, in der Dämmerung, in der Tag und Nacht, Täuschung und Wahrheit, Relatives und Absolutes, so in einander übergehen, dass man das eine im anderen erkennt und erfährt, das das eine ohne das andere nicht existieren kann:

 

Man wird die Wahrheit nicht ohne das Vorhandensein von Täuschung finden können. Man wird nie wissen, ob man die Wahrheit gefunden hat, wenn man dies nicht am Grad der verbleibenden Täuschung messen könnte. 

 

Würde man nach gefundener Wahrheit in ihr verweilen, würde man sich zwar in der Nacht gut orientieren können, aber am Tage aufgeschmissen sein. Daher ist es wichtig, sich tags an die Nacht und nachts an den Tag zu erinnern. Jede Anhaftung an Täuschung und Wahrheit wird nie das Gesamte offenbaren.

 

Analogien aus dem Management:

 

Solange man glaubt, mit Transparenz alles zu bewirken, vergisst man den Menschen. Solange man nur das Menschliche betrachtet, mangelt es an Transparenz.

 

Solange der Manager glaubt, alles ist rational, wird er am Irrationalen scheitern. Sobald er glaubt, alles wäre irrational, wird er am Rationalen scheitern.

 

Solange man glaubt, alle Mitarbeiter wollen mitmachen, wird man eines Besseren belehrt. Sobald man denkt, Mitarbeiter arbeiten nur dagegen, wird man den Zusammenhang nicht suchen.

 

Solange man alle Führungskräfte als unfähig darstellt, wird man ihnen genauso schlecht tun, als würde man sie als funktional bezeichnen.

 

Die Lösung liegt immer in der Mitte. Und diese Mitte bedeutet nur, dass man nicht stehen bleiben darf, sondern pendeln muss, in der alternierenden Perspektive des Gesamtsystems. Denn sobald ich denke, es zu verstehen, wird es sich ansonsten bereits gewandelt haben.

 

Worum geht es also?