Hokyo Zanmai

Der kostbare Schatzspiegel

Meister Tozan (807-869)  [Chinesisch: Meister Dongshan Liangjie]


Ohne Irrtum, ohne Zweifel, so ist der Dharma.

Irrtum und Zweifel entsteht durch Illusion des entfremdeten Menschen.

 

Um das eigene Selbst zu finden, muss daher die Entfremdung überwunden werden.



Der Buddha und die Meister, die seine Lehre weitergaben,

haben nicht darüber gesprochen.

Jetzt könnt ihr es erlangen deshalb bitte ich euch,

bewahrt es unversehrt.

Schon das kleinste Missverständnis führt dazu, dass man das Selbst nicht finden wird und schlimmsten Falls etwas anderes für das Selbst hält.



Der weiße Schnee bedeckt das Silberplateau.

Das Licht des Mondes umhüllt den weißen Reiher.

Sie sind sich nahe, doch nicht identisch.

Sie sind innig vereint, doch jedes versteht seinen eigenen Zustand.

Vier Farben an Weiß, alle individuell, wie die Blätter eines Baumes. Verschieden und doch gleich - Form und Formlosigkeit:

 

wie die Mitarbeiter und die Führungskräfte eines Unternehmens. Sie alle sind besten Falls Individuen mit individuellen, einzigartigen Fähigkeiten, die sich voneinander unterscheiden - und doch sind sie Blätter und Äste ein und desselben Baumes - des Unternehmens.



Das Bewusstsein

Ist nicht Sprache.

Es passt sich den Gegebenheiten an.

Sprache ist starr. Sie kommt aus dem Archetypischen. Ist ein Archetypus ausgewählt, bestimmt er das Para- und Non-Verbale.

 

Nur das Bewusstsein hat die Befähigung, aus dem Gesunden Erwachsenen heraus, von sich heraus nicht nur einen Archetypus zu wählen, sondern auch alle Archetypen zu deaktivieren, um das Selbst zum Vorschein kommen zu lassen.

 

Es ist wichtig, zuzuhören und Fragen zu stellen - statt drauf los zu reden. Vor allem für Führungskräfte ist dies wichtig.



Durch die Worte verwirrt, stürzt ihr in den Abgrund.

Im Zerwürfnis mit den Worten gelangt ihr

in die Sackgasse des Zweifels

Das subtile Fragestellen soll Zerwürfnisse vermeiden. Man nähert sich Frage um Frage iterativ, wie im Tanze, aneinander an.

 

Eine weitere Sichtweise:

 

Man muss KeieiDo anwenden, um es zu verstehen. Viele Erklärungen schaffen nur Verwirrung.



Sich ihm widersetzen, ihn berühren -

das eine ist so wertlos

Wie das andere -

Das ist wie eine Feuerkugel.

Sich einem wütenden Menschen zu widersetzen ist genauso wertlos, wie ihn in den Arm zu nehmen. Die Feuerkugel muss erst ausgeglüht sein, bevor man sich ihr nähern sollte.



Drückt ihr euch in verzierter Sprache aus,

So entstammt dies dem Reich der Befleckungen.

Auch verzierte Sprache entstammt einem Archetypus. Führt ein Archetypus, bedeutet dies, vom Selbst entfremdet zu sein. Diese Entfremdung heißt hier Befleckung.



Mitternacht ist das wahre Licht.

Die Morgendämmerung ist nicht hell.

Mitternacht scheint der Mond. Der Mond steht für das Selbst. Dieses Selbst findet sich in den Träumen wieder. 

 

Mit der Morgendämmerung verschwindet das Selbst wieder und das bewusste Kleine Ich versucht, die Kontrolle zu übernehmen.



Diese Worte werden zum Gesetz des Seienden.

Wenn ihr sie gebraucht,

könnt ihr alles Leiden und alle Schwierigkeiten von euch weisen.

Es geht um Sein statt haben.

 

In der Nacht sieht man nicht, was man hat. Nur man selbst bleibt.

Tags über sieht man sein Hab und Gut. Damit entstehen Leiden und

Schwierigkeiten.

 

Erich Fromm: Haben oder Sein.



Selbst wenn es nicht ohne Bewusstsein ist,

ist es nicht ohne Sprache.

Doch ist es unbewusst,

Wird es zur Sprache.

Das Selbst kann seine Sprache frei und bewusst wählen.

 

Der Archetypus, der sich durch das Kleine Ich im Unterbewusstsein einklinkt, ist eine feste und inflexible Sprache. An dieser erkennt man den Archetypus auch ein-eindeutig.



Wie wenn ihr euch im Spiegel betrachtet:

Form und Spiegelbild betrachten einander.

Ihr seid nicht das Bild,

doch das Bild ist mit euch identisch.

Der Spiegel steht symbolisch für den inneren absoluten Spiegel durch das Selbst.

 

Das beobachtende bewusste Ich ist nicht gleich dem Selbst, dem scheinbaren Spiegelbild des beobachtenden bewussten Ichs. Dennoch ist das Selbst man selbst.

 

Das Selbst bin ich aber ich bin nicht immer ich selbst. 



Wie Neugeborene in der Welt mit ihren fünf Eigenschaften:

Sie gehen nicht,
sie kommen nicht,
sie tauchen nicht auf,
sie bleiben nicht,
sie sprechen nicht,

Baba waka - uku muku...

Letztendlich können sie nicht bekommen was sie wollen,

denn ihre Sprache ist nicht genau.



Die sechs Linien des Hexagramms "Juri"

fördern das wechselseitige Spiel.

Ihre Entfaltung ergibt drei,

ihre Wandlung fünf.

Hier eine Anspielung auf das Yijing.



Wie die fünf Geschmäcke der Pflanze Chiso.

Die Chiso-Pflanze hat fünf gleichzeitige Geschmacksrichtungen. Sie sind alle vereint.

 

Analogie zu Baum und Blätter.



Das gleicht ganz und gar einem Diamantzepter.

Das Diamantzepter wird das Bild des Betrachters fragmentiert zurück.

 

Analogie zu Baum und Blätter.



Wenn das Gerade und das Schiefe sich begegnen und verschränken

(Wie die Beine im Lotussitz),

sind auf wunderbare Weise Frage und Antwort vermengt.

Frage und Antwort in Einem - Nicht-Zwei.

 

Unterschiede ergänzen sich.



Das ist innig verbunden mit dem Ursprung.

Das ist vertraut mit dem Weg.

Es geht um Selbstsein. Das Selbst ist der Ursprung von allem. Bin ich ich selbst, bin ich auf dem Weg, den auf dem Weg zu sein bedeutet, man selbst zu sein.



Ist dies vermengt, so bedeutet dies das Glück.

Doch wir dürfen nicht den geringsten Irrtum begehen

Nur der Blick in den inneren Spiegel zeigt die wirkliche Wahrheit.



Das ist unschuldig und geheimnisvoll.

Das gehört weder zur Illusion noch zum Satori



Das Gesetz der wechselseitigen Abhängigkeit und die Gelegenheit können wirklich werden in der Klarheit und Stille des Herzens.

Nur mit dem Herzen, dem Selbst, kann erkannt werden, dass alles von allem anderen abhängt und wechselwirkt. 

 

Sobald diese Stille verschwindet, sind Abhängigkeiten im Rauschen nicht mehr zu erkennen.



Das Kleine dringt ein ins Unendliche.

Das Große begrenzt den Kosmos.

Das Kleine Ich findet man in seinen Facetten überall - im Menschen, im Tier, im Insekt. Alle können ängstlich, wütend und verwirrt sein.

 

Das Große Ich, das Selbst, das keine Trennung zwischen sich und der Umgebung vernehmen kann, weil es eins ist mit Allem, ist der Kosmos - das Große Bewusstsein.

 

Der Kosmos ist der Baumstamm. Die Individuen sind die Blätter.



Bildet sich eine Abweichung,

und sei sie noch so winzig,

so kann sich dies nicht mit dem Rhythmus der Musik harmonisieren.

Es ist wichtig, sich für den Weg zu entscheiden und darauf zu bleiben. Heute Weg, morgen nicht - so kann es nicht funktionieren.



Jetzt gibt es das Plötzliche

Und das Allmähliche,

Die Schulen trennen sich -

Das wird zur Norm.

Der Weg zum Selbst kann spontan erfolgen, aber auch mit einer langen Weg- und Durststrecke verbunden sein. Es ist wichtig, hier nicht zu unterscheiden, sondern den gefühlt passendsten Weg zu wählen.

 

So ist es auch mit KeieiDo. Für viele Menschen wird der Weg über das Management passen. Einige von diesen werden Zusammenhänge schnell aufnehmen. 



Selbst wenn ihr die Schulen versteht und die Lehre verwirklicht,

ist dies eine Befleckung des wahren Satori.

KeieiDo ist dabei lediglich der Weg - nicht jedoch das Ziel. 

Nur das Üben und Anwenden wird das Tor zum Selbst öffnen.

Perfektes Management ist ein Nebenprodukt. 



Außen - Ruhe

Innen - Bewegung.

Wie das Pferd, dem man die Füße fesselt,

wie eine Ratte, die sich verbirgt.

Der äußerlich ruhig scheinende Mensch kann im Inneren zappelig sein. Dies ist Täuschung.

 

 



Da alle Meister, die die Lehre weitergaben,

über diesen Punkt betrübt waren,

verspürten sie das Bedürfnis,

das Dharma zu spenden.

Wichtig ist, die Ruhe im Inneren zu finden und aus dem Inneren nach außen kommen zu lassen. Dann ist es wahrhaftige Ruhe.



Da jeder der Illusion voller Irrtum folgt,

verwechselt er das Weiße mit dem Schwarzen.

Haben die Illusionen sich aufgelöst,

kann jeder augenblicklich selbst verstehen.

Meditation nutzen die meisten Menschen, um innen ruhig zu werden und sich zu entspannen. Hierdurch werde die Symptome der Unruhe zeitweise verringert. Es entsteht die Illusion der inneren Ruhe.

 

Im ZaZen geht es darum, im Inneren die Ruhe zu finden und sie nach außen zu leiten. Die Ursachen werden betrachtet. Die entstehende Ruhe ist wirklich, denn durch die Betrachtung der Ursachen werden alle Illusionen behoben.



Wollt ihr euch einordnen in die alten überlieferten Spuren,

So betrachtet bitte aufmerksam das Beispiel eurer frühen Vorgänger.

Damit der Weg des Buddha erfolgreich geschaffen werden konnte,

wurde der Baum zehn Millionen Jahre lang betrachtet

KeieiDo, der Weg des Managements, mag sich neumodisch anhören. Doch er basiert auf den alten überlieferten Spuren. Ansonsten würde er zu nichts taugen.



Wie der Makel des Tigers,

wie die Nachtaugen des Pferdes...

Der Makel des Tigers sind seine gespaltenen Ohren, die entstehen sollen, wenn er einen Menschen verspeist hat.

 

Die Nachtaugen des Pferdes werden durch die weiß behaarten Knie des Pferdes in der Nacht gebildet.

 

Beides sind Täuschungen.



Die Menschen glauben sich minderwertig

und betrachten die Dinge wie seltene Schätze.

Sie fürchten sich vor ihrem Geist.

Daher muss der Meister sich in eine Katze

oder einen weißen Ochsen verwandeln.

Minderwertigkeit - und überhaupt das Gerede über eine Wertigkeit von Menschen - weckt den Archetypus des unkontrollierten Cholerikers. Genau wie Narzissmus, als Überkompensation dieser Minderwertigkeit, Psychopathie erzeugt. Man versucht das Empfinden der eigenen Wertlosigkeit durch Haben von Dingen zu kompensieren und identifiziert sich mit diesen (Horcrux).

 

Um für Haben-Menschen attraktiv zu werden, muss sich der Meister in etwas verwandeln, dass diese gerne als Ding in ihrem Besitz hätten, weil von vermeintlichem Wert. In der damaligen Zeit galt dies unter anderem für Katzen und weiße Ochsen.

 

Einer der Gründe, aus denen man im Management oft wenig Kompetenz findet, liegt daran, dass es eher um Aussehen, Größe, Titel, Haarfarbe und lautstarken Kampfgeist geht. So muss sich der Weise wohl tarnen, um dennoch eingestellt zu werden.



Durch seine erhabene, genaue Technik kann der Meister des Bogens

selbst aus großer Entfernung die Scheibe treffen.

Doch die erhabenste Technik verliert ihre gesamte Wirksamkeit,

Wenn mitten im Flug Pfeil und Lanze zusammentreffen.

Technik ist wichtig. Doch angewendet werden muss sie von der Intuition, vom Selbst.

 

Solange ein Archetyp die Technik verwendet, wird seine egozentrische Prägung Gegenwehr erzeugen.

 

Das Selbst trifft nicht um zu gewinnen und muss daher nicht siegen. So entstehen weder Feind noch dessen Lanze.



Der Mann aus Holz singt, die Frau aus Stein erhebt sich und tanzt.

Das Stammhirn wird durch den Neo Cortex substituiert,

das Bauchhirn durch das Limbische System.

 

Energie wird nicht in Wut, sondern Richtungsweisung transformiert.

Sicherheit wird in nicht mehr im Stillstand,

sondern im der Bewegung gefunden.

 

Wut und Angst verschwinden.

Lösungsorientierter Verstand entsteht.

 

Das Primitive wandelt sich in das Methodische.

Stillstand wird zu gerichteter Bewegung.

Jammern wird zu Lösungskompetenz.

Unterwerfen und Hinterherrennen werden zu gleichberechtigtem Miteinander.

 

Verstand und Empathie werden zum Gesunden Erwachsenen.

Die Methodik des Gesunden Erwachsenen wird zur Intuition des Mentors.

 

Mann und Frau verschwinden im untrennbaren Miteinander.

Gesunder Erwachsener und Mentor sind genderneutral.



Die Gefolgschaft muss dem König gehorchen.

Der Sohn muss seinem Vater folgen.

Der König ist der Sohn des Vaters.

So folgt der Vater dem König.

Doch wird der Sohn gleichzeitig dem Vater folgen.

Es gibt also keine Hierarchie von Vater und Sohn.

Beide sind gleich wichtig und haben wichtige Aufgaben.

 

Der König steht hier für den Gesunden Erwachsenen.

Der Vater steht für das Kleine Ich und dessen Archetypen.

 

Es geht also um den Marionettenspieler und die Marionette mir ihren Kostümen.

 

Im Management folgt der Mitarbeiter der Führungskraft, so wie die Führungskraft dem Mitarbeiter folgt. Beide sind auf Augenhöhe, keiner ist besser oder schlechter, Hierarchie existiert nicht, sondern nur Funktionalität.

 

Damit ist dieses Paradigma die Definition von wahrhaftiger Führung.

 



Nicht zu folgen,

ist nicht die Kindespflicht des Sohnes.

Nicht zu gehorchen,

bedeutet, kein wirklicher Gefolgsmann zu sein.

Es geht um Teambuilding und wirkliche Führung:

 

Es ist nicht die Pflicht der Führungskraft, dem Mitarbeiter zu folgen. Dennoch tut sie gut daran.

Der Führungskraft als Mitarbeiter zu gehorchen heißt immer Gehorsam - und dies wäre für den Mitarbeiter fatal.

 

Nur, wenn die Führungskraft wahrhaftige Führung lernt, wir der Mitarbeiter zum Gefolgsmann. Und genau dann wird auch die Führungskraft mit den Entscheidungen des Mitarbeiters mitgehen.

 

Solange man Führung nicht verstanden hat, wird man auch diesen Abschnitt nicht verstehen.



Die verborgene Handlung,

geheim und vertraut benutzt,

erscheint dumm und beschränkt.

Im Unternehmen über Archetypen, Psychopathologie und Krankes Kindliches Verhalten zu sprechen ist nicht unbedingt ratsam - auch wenn es leider das weltweite Management bestimmt.



Dies heißt Das Wesentliche im Wesentlichen.

Allein dies hat Erfolg.

Innen und außen gleichermaßen.

Innen noch mehr als außen.

Denn alles kommt immer von innen.