Claim-Kultur

Noch drastischer als bereits die Risikokultur



Gewaltiger Einfluss

Bereits im Risikomanagement erkennt man, welch wahrhaft gewaltigen Einfluss die Unternehmenskultur auf das Risikomanagement nimmt.

 

Im Claim-Management ist dieser Einfluss noch weit größer und drastischer.

 

Einer der entscheidenden Gründe hierfür ist, sich Unternehmen - ganz anders als bei Risikomanagement - nicht davor drückt, sondern Claim-Management wohlmöglich als lukratives strategisches Geschätsstandbein erkennt.

 

 

Claim-Management ist wie Kalter Krieg

 

Gut und böse - S/W

Sehr deutlich wird der unternehmenskulturelle Einfluss von Claim-Management bei zwei exemplarischen Extrama:

  • Unternehmen A betreibt Claim-Management, um ein Projekt "sauber hinzulegen", auf Basis von Transparenz und sozialer Sorgsamheit.
  • Unternehmen B setzt pro Projekt drei professionelle Anwälte ein, um jeden nur erdenklichen Verhaltensfehler der "Gegenpartei" aufzudecken und daraus Rechtsansprüche geltend zu machen.

Der Gesunde Erwachsene in uns wird dies nicht werten. Es ist, wie es ist, wird er sagen. Doch eine künftige Zusammenarbeit wird er mit diesen Parteien vermeiden.

 

Claims als Geldquelle

Noch extremer wird es, wenn ein Unternehmen erkennt, dass man mit gezielt gesetzten Claims mehr Gewinne "einfahren kann", als mit dem konventionellen Kerngeschäft.

 

Dann wird Claim-Management zu neuen - inoffiziellen oder offiziellen - Kernkompetenz und zum Kernprozess dieses Unternehmens.

 

Der Folkus in Projekten wandelt sich in einem solchen Fall

  • von einem ergebnisorientierten Miteinander in einem Boot

in ein

  • feindlich gesonnenes Gegeneinander, das hofft, dass der Gegener einen Fehler macht

oder, wie man es leider auch im generellen Geschäftsleben und in der Menschheitsgeschichtge immer wieder erlebt:

  • das gezielte Provozieren von Fehlern beim Gegenüber, das man damit fokussiert auflaufen lässt.

 


Kulturvergleich


Sechs typische Kulturen

In der Abbildung sind sechs Kulturen abgebildet, zusammen mit einer Zuordnung zu Entwicklungsstufen, beginnend mit drei funktionalen und endend mit drei dysfunktionalen:

 

Gesund Erwachsene Claim-Kultur

  • Man sieht Claiming als Möglichkeit, sich selbst und Partner weiterzuentwicken.

Transparente Claim-Kultur

  • Ein sehr strukturiertes Claim-System ist eingeführt worden und wird pragmatisch gelebt. Rollen sind systematisch ausgeprägt.

Kooperative Claim-Kultur

  • Eigene Mitarbeiter und Projektpartner werden empathisch und pro-aktiv auf drohende Risiken hingewiesen, um gemeinsam, in Workshops und Gesprächen, Lösungen zu finden.

Phobische Claim-Kultur

  • Große Sorge vor Fehlern und Abweichungen machen Risiko- und Claim-Management zu bedrohlichen Begriffen. Genaue Regelwerke versuchen Claims zu vermeiden.

Aggressive Claim-Kultur

  • Eigenen Mitarbeitern und gegenüber Projektpartnern wird auf die Konsequenzen von Fehlverhalten hingewiesen. Diese werden offen und politisch sichtbar bestraft.

Vernichtende Claim-Kultur

  • Claim-Management wird psychopathisch und psychopathologisch als Bedrohung- und Vernichtungswerkzeug verwendet, um im eigenen Unternehmen eine höhre Position zu erreichen, die aktuelle Position zu festigen oder Marktpartner zu verdrängen.